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Begleiterkrankungen

Viele Opioidabhängige sind nicht nur an ihrer Sucht erkrankt, sondern leiden unter weiteren Erkrankungen. Dies sind zum einen körperliche Erkrankungen wie Infektionskrankheiten, die meist durch den Austausch benutzter Spritzenbestecke unter Opioidabhängigen übertragen werden. Hierzu zählen insbesondere die Hepatitis B- und C- sowie die HIV-Infektion. Daneben rufen unhygienische Injektionstechniken lokale Abszesse und Entzündungen hervor. Weitere Begleiterkrankungen sind Tuberkulose und Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), die häufig komplikationsreicher verlaufen. Zum anderen finden sich bei Opioidabhängigen psychische Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen.

Hepatitis C

Hepatitis C ist eine Leberentzündung, die durch das Hepatitis C-Virus hervorgerufen wird. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt, geht sie häufig in ein chronisches Stadium über, das Leberzirrhose, Leberversagen und bösartige Lebertumoren nach sich zieht. In Deutschland geht man von 400.000 bis 500.000 chronisch Infizierten aus. Besonders stark betroffen ist die Gruppe der Opioidabhängigen. 70 bis 90 Prozent von ihnen sind mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Das Virus wird über Blut-Blut-Kontakte übertragen, bei Opioidabhängigen vor allem durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzbestecken beim intravenösen Substanzkonsum. Aber auch beim Sniefen kann das Virus übertragen werden, soweit ein gemeinsamer Gebrauch der dafür notwendigen Utensilien erfolgt. Eine untergeordnete Rolle bei der Ansteckung spielen Geschlechtsverkehr sowie die Übertragung von der Mutter auf das Kind während Schwangerschaft und Geburt.

Bei Opioidabhängigen, die eine medikamentös unterstützte Suchttherapie erhalten, sollte nach Möglichkeit eine Hepatitis C-Therapie durchgeführt werden. Die Standardtherapie erfolgt mit pegyliertem Interferon alpha und Ribavirin, bei einem bestimmten Subtyp des Virus (Genotyp 1) werden zusätzlich Protease-Inhibitoren (Telaprevir oder Boceprevir) gegeben. Weitere neue Medikamente befinden sich in Erprobung, so dass die berechtigte Hoffnung besteht, in einigen Jahren eine interferonfreie und damit nebenwirkungsärmere Therapie zur Verfügung zu haben.

Hepatitis B

Neben der Hepatitis C ist bei Opioidabhängigen die Hepatitis B eine Ursache chronischer Leberentzündungen mit ihren Folgeerkrankungen. Sie wird durch das Hepatitis B-Virus hervorgerufen, das durch Blut-Blut-Kontakte, beim Geschlechtsverkehr und während der Geburt übertragen wird. Im Gegensatz zur Hepatitis C verläuft die Hepatitis B bei Opioidabhängigen aber nur in etwa 10 Prozent der Fälle chronisch.

Therapiert wird dauerhaft entweder mit pegyliertem Interferon alpha oder mit Nukleosid- bzw. Nukleotidanaloga wie Lamivudin, Entecavir, Telbivudin oder Tenofovir. So kann die Virusvermehrung unterdrückt und das Risiko für einen Lebertumor gesenkt werden, eine Heilung tritt jedoch selten ein. Wichtigste medizinische Schutzmaßnahme ist daher eine Impfung gegen Hepatitis B.

HIV-Infektion und AIDS

AIDS steht für „acquired immunodeficiency syndrome“, was auf deutsch erworbenes Immundefektsyndrom bedeutet. Es wird durch das HI-Virus übertragen (Human Immunodeficiency Virus = menschliches Immunschwäche Virus). Eine schwere Immunschwäche kann heute unter einer rechtzeitig begonnenen und konsequent durchgeführten antiretroviralen Therapie (ART) aber über viele Jahre und Jahrzehnte verhindert werden.

Unter Opioidabhängigen sind sechs bis zehn Prozent mit HIV infiziert. Die antiretrovirale Therapie erfordert große Disziplin und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme. Ist diese Therapietreue nicht gewährleistet, können die HIV-Medikamente gleichzeitig mit dem Substitutionsmittel unter Aufsicht eingenommen werden.

Psychische Erkrankungen

Etwa 70 Prozent der Opioidabhängigen, die sich in einer medikamentös unterstützten Suchttherapie befinden, weisen neben der Abhängigkeit weitere psychische Probleme auf. Dies sind in erster Linie Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen sowie Depressionen. Dabei kann die psychische Erkrankung bereits vor der Substanzabhängigkeit bestanden haben oder während deren Verlaufs auftreten. Mit Beginn der Abstinenz können sich die Beschwerden bessern, mitunter treten durch die Nüchternheit aber auch neue Probleme auf oder alte Probleme nehmen in ihrer Deutlichkeit zu. Die Behandlung psychischer Erkrankungen durch einen erfahrenen Arzt, z.B. einen Psychiater oder Psychotherapeuten, ist ein wichtiger Bestandteil der medikamentösen Suchttherapie.

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