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Medikamente in der Suchttherapie

Ein Medikament in der Suchttherapie sollte folgende Eigenschaften haben:

  • Einnahme nur einmal täglich
  • Keine Auslösung eines „Kicks“ durch langsame Anflutung des Wirkstoffes
  • Möglichst zum Schlucken
  • Angepasst an die individuelle Opioidtoleranz

In Deutschland werden derzeit verschiedene Medikamente in der Suchttherapie angewendet. Am weitesten verbreitet sind Methadon-Razemat (im Folgenden Methadon genannte), l-Methadon (im Folgenden Levomethadon genannt) und Buprenorphin, in Ausnahmefällen werden auch Codein, Dihydrocodein oder Diamorphin, ein pharmazeutisch hergestelltes Heroin, eingesetzt.

Art und Anteil der gemeldeten Suchtmedikamente

Quelle: BfArM: Bericht zum Substitutionsregister

Bericht mit Zahlen für 2013 unter:
http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/SubstitReg/Subst_Bericht.pdf?__blob=publicationFile&v=6

Methadon

Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid und liegt als Razemat vor. Das bedeutet, es gibt zwei chemische Formen des Moleküls: l(evo)-Methadon und d(extro)-Methadon. l-Methadon ist hauptsächlich für die therapeutische Wirkung verantwortlich, während d-Methadon der in Bezug auf die Substitutionswirkung eher inaktive Anteil ist. Aktuell sind in Deutschland im Handel mit dem Wirkstoff Methadon:

  • d,l-Methadon als Tabletten [Link] oder Lösung
  • Levomethadon als Lösung
  • d,l-Methadonhydrochlorid als Apothekenrezeptur
Im Jahre 2013 erhielten 49,3 Prozent der medikamentös behandelten Opioidabhängigen Methadon und 28,6 Prozent Levomethadon. Methadon/Levomethadon verringert bzw. vermeidet das Auftreten von Entzugssymptomen ohne dass es jedoch eine euphorisierende Wirkung („Kick“) hervorrufen würde. Unerwünschte Wirkungen des Methadons wie Müdigkeit, Benommenheit und herabgesetztes Schmerzempfinden werden meist nach vier bis sechs Wochen deutlich weniger. Verstopfung, Schwitzen, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen benötigen hingegen weitaus länger bis zum Verschwinden oder können bestehen bleiben. Weitere unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit, verminderte Libido und in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen.

Methadon muss einmal täglich eingenommen werden. Die Tabletten können wie eine Kopfschmerztablette geschluckt werden. Alternativ kann Methadon in flüssiger Form beispielsweise verdünnt mit Himbeersirup oder Zuckerlösung eingenommen werden. Die Dosierung kann bei Bedarf über viele Jahre stabil gehalten werden, in Stress- und Belastungssituationen sowie in Krankheitsphasen jedoch auch erhöht werden.

Buprenorphin

Buprenorphin ist wie Methadon ein Opioid, das Entzugserscheinungen verhindert und das Verlangen nach Opioiden reduziert. In Deutschland erhielten im Jahr 2013 etwa 21,3 Prozent der medikamentös behandelten Opioidabhängigen Buprenorphin.

Eine dämpfende Wirkung stellt sich unter Buprenorphin im Gegensatz zu Methadon meist nicht ein. Das hat den Vorteil, dass der Patient während der Therapie einen klaren Kopf behält. Für andere Patienten ist gerade die fehlende abschirmende Wirkung des Buprenorphins von Nachteil. Buprenorphin wirkt etwas schwächer als Methadon und wird deshalb gerne eingesetzt, wenn eine dämpfende Wirkung nicht erwünscht ist, beispielsweise bei Berufstätigkeit, zum Therapieende oder wenn eine psychotherapeutische Begleitbehandlung erfolgt. Buprenorphin Tabletten werden unter die Zunge gelegt, wo sie sich innerhalb von fünf bis zehn Minuten auflösen. Daher nennt man sie auch Sublingualtabletten. Aufgrund seiner langen Wirkdauer besteht auch die Möglichkeit, Buprenorphin nur alle zwei bis drei Tage einzunehmen, so dass kein täglicher Arztbesuch notwendig ist.

Buprenorphin kann mit dem Opioid-Gegenspieler Naloxon in einer Tablette kombiniert sein. So soll der Missbrauch des Medikaments durch Sniefen oder Spritzen verhindert werden. Enthält die Buprenorphin-Tablette zusätzlich Naloxon und wird direkt in ein Blutgefäß gespritzt bzw. gesnieft, kommt es zu akuten Entzugserscheinungen. Bei ordnungsgemäßer sublingualer Anwendung des Arzneimittels, wirkt nur das Buprenorphin. Es treten keine Entzugserscheinungen auf, da Naloxon bei oraler Einnahme vom Körper in zu geringen Mengen aufgenommen wird.

Wahl des Suchtmedikaments

Die Wahl des Suchtmedikaments muss sich immer an den Bedürfnissen und der aktuellen Situation des Opioidabhängigen orientieren. Der Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welches Suchtmedikament am geeignetsten für ihn ist. Dabei werden die individuellen Ziele des Patienten, wie beispielsweise der Wiedereinstieg ins Berufsleben, berücksichtigt. Daneben spielen der Gesundheitszustand sowie psychologische und soziale Aspekte eine Rolle.

Meldung von Nebenwirkungen

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Für die Meldung von Nebenwirkungen außerhalb der Geschäftszeiten erreichen Sie uns unter 02065 256 1665.

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