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Vitamin D plus Calcium!

Neue Fakten zur effektiven Osteoporose-Prävention

Holzkirchen, 20. Oktober 2014 – Eine neue Cochrane-Analyse zeigt, dass die Kombination von Vitamin D und einer ausreichenden Calciumzufuhr aus Nahrung und Supplementierung die Knochendichte besser unterstützt als eine singuläre Einnahme von Vitamin D. Die durchschnittliche Aufnahme von Calcium durch die Nahrung ist bei zirka der Hälfte der Bevölkerung zu gering. Wünschenswerte Serumspiegel der Vorstufen von Vitamin D werden von einem Großteil der Bevölkerung in Deutschland nicht erreicht. Wird beides über die alimentäre Zufuhr dauerhaft nicht gewährleistet, unterstützt eine moderate Supplementierung beider Nährstoffe den langfristigen Erhalt an Knochenmasse. In welcher Dosierung die Supplementierung sicher ist und mit hoher Evidenz auf den Knochen einwirkt, kann die aktuelle Forschung heute für beide Nährstoffe beziffern.

Menschliche Knochen besitzen eine einzigartige Mikroarchitektur: Sie halten hohen Zug- und Druckkräften stand, bestenfalls ein Leben lang. Die Stabilität eines Knochens wird vor allem von der Qualität der Knochenmasse bestimmt – einem lebendigen Gebilde, das sich aufbaut, erneuert und abbaut. Wichtige Faktoren für eine gute Knochenmasse sind die gesicherte Versorgung der Knochen mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß. Gerade aber bei Calcium und Vitamin D ist Wachsamkeit wichtig. Die Erfüllung der Zufuhrempfehlungen von DGE3 und DVO14 sind bei vielen Menschen in Deutschland nicht gesichert. Laut NVS II erreichen 55% der Frauen und 46% der Männer keine ausreichende Calciumversorgung mit normaler Ernährung1. Eine Optimierung der Calcium- und Vitamin D-Zufuhr ist wünschenswert.

Mediane Calcium und Vitamin D-Zufuhr ohne Erfassung von Supplementen, nach NVS II2

Alter (Jahre) 15-18 19-24 25-34 35-50 51-64 65-80
Calcium (in mg)
Männer 822 857 866 838 782 725
Frauen 684 740 776 771 726 683
Empfehlung 3 1200 1000
Vitamin D (in μg)
Männer 1,8 2,0 2,2 2,3 2,4 2,5
Frauen 1,3 1,5 1,7 1,9 2,0 2,1
Empfehlung 3 20 *


* Die Vitamin-D-Zufuhr über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln reicht nicht aus, um die gewünschte Versorgung (25(OH)D-Serumkonzentration von mindestens 50 nmol/l) bei fehlender endogener Synthese sicherzustellen. D. h., die Versorgung muss zusätzlich zur Zufuhr durch die Ernährung über die endogene Synthese und/oder über die Einnahme eines Vitamin-D-Präparats sichergestellt werden. Bei häufiger Sonnenbestrahlung kann die gewünschte Vitamin-D-Versorgung ohne die Einnahme eines Vitamin-D-Präparats erreicht werden.

Die Chance der frühen Jahre
Das Absorptionsvermögen für Calcium ist im Laufe des Lebens unterschiedlich. Am Lebensanfang wird mehr absorbiert: Mädchen absorbieren etwa 38 % des Nahrungscalciums, Jungen etwa 42%4. Dies führt zu einem Höhepunkt der Knochenmasse (peak bone mass) in der zweiten bis dritten Lebensdekade. Eine sehr gute Calciumversorgung in dieser Zeit ist deshalb in diesen Jahren essentiell. Ist die peak bone mass erstmal erreicht, wird sie zwar eine Weile gehalten. Dann aber verliert der Mensch jährlich im Durchschnitt zirka 1 % davon5.

Vitamin D PLUS Calcium
Der Verlust der Knochenmasse ist abhängig von Alter, Geschlecht und dem Verlust an Muskelmasse. Er setzt wegen der Menopause bei Frauen früher und drastischer ein als bei Männern. Die ausreichende Calciumversorgung sollte deshalb lebenslang sichergestellt sein. Dort, wo dies nicht aus Lebensmitteln bewerkstelligt werden kann oder besondere Einflussfaktoren den Bedarf noch erhöhen (z.B. Grunderkrankungen oder Vorfrakturen), ist der Nutzen kombinierter Vitamin D- und Calciumsupplementierung nachgewiesen. Eine Meta-Studie, die das Frakturrisiko im Alter berücksichtigt, zeigt für über 65-Jährige ein geringeres Risiko verminderter Knochenmasse und Frakturen für die Zufuhr von 1.200 mg Calcium/d in Kombination mit Vitamin D6. Eine nach oben offene, alleinige Calciumsupplementierung würde keinen linearen Effekt auf die Knochenmasse haben. Wenn aber Vitamin D zur Frakturprävention über ein Supplement eingenommen wird, sollte auch Calcium immer mit dabei sein. Ein Cochrane-Review mit einer Gruppe aus mehr als 91.000 postmenopausalen Frauen und Männern über 65 Jahren zeigt, dass die alleinige Gabe von Vitamin D, das Frakturrisiko weniger verringert, als Vitamin D plus Calcium. Die Studie bestätigt mit hoher Evidenz, dass die Zufuhr von Vitamin D plus Calcium sowohl nicht-vertebrale als auch Hüftfrakturen besser reduziert7.

Kardiovaskuläres Risiko
Ein direkter Einfluss von Calciumsupplementierungen auf kardiovaskuläre Risiken wird kontrovers diskutiert8. Insgesamt ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand davon auszugehen, dass Calciumsupplemente die kardiovaskuläre Gesundheit weder positiv noch negativ beeinflussen9-11. Eine aktuelle und sehr differenzierte Metaanalyse von 18 RCT mit 63.563 Teilnehmern konnte kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko für Calciumsupplemente nachweisen12. Die 24-Jahres-Auswertung der Nurses Health Study zeigte, dass selbst höher dosierte Supplemente (> 1000 mg pro Tag) nicht nur sicher sind, sondern sogar das Koronarrisiko senken können13. Zudem ist eine hohe Calcium-Zufuhr aus Lebensmitteln und Supplementen in Studien mit weiteren Präventiveffekten assoziiert, z. B. bezüglich der Vorbeugung von übergewicht, von Bluthochdruck und einer zu hohen Serum-Lipidkonzentration. Dies vermindert indirekt auch kardiovaskuläre Risiken.

Bewegungseffekte
Für die Knochengesundheit bilden eine optimale Calciumzufuhr, ausreichende Vitamin-D-Versorgung und ein körperlich aktives Leben ein wirksames Dreieck. So hat neben einer ausreichenden Calcium- und Vitamin-D-Versorgung auch tägliche Bewegung eine hohe Priorität für die Knochengesundheit.

Fakten im überblick

  • Risikogruppen für Osteoporose sind Personen mit BMI unter 19, mit übermäßigem Alkohol- und/oder Zigarettenkonsum, Menschen, die aus medizinischen oder kulturellen Gründen ihre Haut nicht der Sonne aussetzen können, sowie Menschen mit vorliegender Grunderkrankung (z. B. entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen)

  • Eine alleinige Vitamin D-Supplementierung ist nicht ausreichend, um osteoporosebedingte Knochenbrüche zu verhindern. Eine Kombination aus Vitamin D und Calcium kann das Risiko einer Fraktur verringern.

  • Jeder zweite Erwachsene nimmt zu wenig Calcium zu sich. In folgenden Gruppen entsteht leicht eine unzureichende Calcium-Versorgung: Schwangere, Stillende, Veganer, Frauen bzw. Männer über 50 bzw. 60 Jahre, Menschen mit vorliegender Grunderkrankung (z. B. Lactoseintoleranz)

  • In der DVO Leitlinie Osteoporose wird zu einer täglichen Aufnahme von 1.000 mg Calcium und 800 bis 1.000 IE Vitamin D geraten14.

  • Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält in einer jüngeren toxikologischen Bewertung eine Gesamtcalciumzufuhr (Nahrung und Supplemente) von 2500 mg/Tag für sicher15. Auch eine Expertenkommission des American Society for Bone and Mineral Research Found kommt zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Hinweise gibt, wonach Calciumsupplemente die kardiovaskuläre Gesundheit schädigen16.

  • Calciumsupplemente werden besser absorbiert und vertragen, wenn sie über mehrere Mahlzeiten pro Tag verteilt werden.

Drei Fragen im Alltag
Frage: Kann Calciumergänzung eine überversorgung mit Calcium hervorrufen?
Antwort: Bei einer Calciumsupplementierung sollte man sich an die empfohlenen Dosierungen halten. Nützlich ist auch, eine qualifizierte Beratung aufzusuchen, die ein eventuell bestehendes Calciumdefizit sowie die geeignete Calciumzufuhr unter Berücksichtigung individueller Ernährungsgewohnheiten und bestehender Grunderkrankungen abschätzt.

Frage: Wo liegen die oberen Grenzen der Supplementierung mit Calcium?
Antwort: Calcium-Supplementierung ist sicher in der üblichen Dosierung bis zu 1000 mg/d, sollte aber die alimentäre Calciumzufuhr immer berücksichtigen. Die EFSA gibt 2.500 mg Calcium täglich für Erwachsene als tolerierbare Gesamtzufuhr an.

Frage: Reicht Vitamin D nicht auch alleine?
Antwort: Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Effekt auf die Knochengesundheit besser ausfällt, wenn man nicht nur für einen optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut sorgt, sondern gleichzeitig auch eine gute Calciumzufuhr durch Lebensmittel und/oder Supplemente sicherstellt. Physiologisch macht das Sinn, da Vitamin D ja die Aufnahme des Calciums in den Körper zu verbessern vermag. Aus diesem Grund sollte dann auch ausreichend Calcium zur Verfügung stehen.

Autorin: Dr. Karin Bergmann



Quellen:


1 Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht Teil II.
2 Max Rubner-Institut (2013) : Nationale Verzehrsstudie II: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr auf Basis von 24h-Recalls. 2013.
http://www.mri.bund.de/fileadmin/Institute/EV/Lebensmittelverzehr_Naehrstoffzufuhr_24h-recallsneu.pdf
3 Deutsche Gesellschaft für Ernährung: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr;
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/calcium/;
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
4 Wastney ME, Ng J, Smith D, et al: Differences in calcium kinetics between adolescent girls and young women. Am J Physiol 1996; 271: 208–216
5 Jones G, Nguyen T, Sambrook P, et al: Progressive loss of bone in the femoral neck in elderly people: longitudinal findings from the Dubbo osteoporosis epidemiology study. BMJ 1994; 309: 691–695
6 Tang BMP, Eslick GD, Nowson C, et al: Use of calcium or calcium in combination with vitamin D supplementation to prevent fractures and bone loss in people aged 50 years and older: a metaanalysis. Lancet 2007; 370: 657–666.
7 Avenell A, Mak JCS, O´Connell D (2014): Vitamin D and vitamin D analogues for preventing fractures in post-menopausal women and older men. The Cochrane Collaboration. Published by JohnWiley & Sons, Ltd. The Cochrane Library, 2014, Issue 4.
8 Ströhle A, Hahn A, Kalzium in Prävention und Therapie der Osteoporose. Frauenarzt 2015; 56 (8): 672-678
9 Ströhle A, Hadji P, Hahn A. Calcium and bone health - goodbye, calcium supplements? Climacteric. 2015 Apr 8:1-13. [Epub ahead of print
10 Wang L, Manson JE, Sesso HD. Calcium intake and risk of cardiovascular disease: a review of prospective studies and randomized clinical trials. Am J Cardiovasc Drugs. 2012 Apr 1;12(2):105-16.
11 Rautiainen S, Wang L, Manson JE, Sesso HD. The role of calcium in the prevention of cardiovascular disease--a review of observational studies and randomized clinical trials. Curr Atheroscler Rep. 2013 Nov;15(11):362.
12 Lewis JR, Radavelli-Bagatini S, Rejnmark L, Chen JS, Simpson JM, Lappe JM, Mosekilde L, Prentice RL, Prince RL. The Effects of Calcium Supplementation on Verified Coronary Heart Disease Hospitalization and Death in Postmenopausal Women: A Collaborative Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Bone Miner Res. 2014 Jul 10. doi: 10.1002/jbmr.2311. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 25042841.
13 Paik JM, Curhan GC, Sun Q, Rexrode KM, Manson JE, Rimm EB, Taylor EN. Calcium supplement intake and risk of cardiovascular disease in women. Osteoporos Int.2014 Aug;25(8):2047-56.
14 Dachverband Osteologie (2014) S3 - Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V.;
15 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of calcium. EFSA Journal 2012;10:2814
16 Bockman RS, Zapalowski C, Kiel DP, Adler RA. Commentary on calcium supplements and cardiovascular events. J Clin Densitom. 2012 Apr-Jun;15(2):130-4.


Abkürzungen:
DGE: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.; DVO: Dachverband Osteologie e.V.; NVS II: Nationale Verzehrstudie II; KHK: Koronare Herzerkrankungen; EFSA: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Download:
  Calcium_und_Vitamin_D_Final.pdf

 

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