Differenzierte Therapie des PCO-Syndroms

Prof. Dr. Kai Bühling erläutert im Folgenden die Diagnose des PCO-Syndroms und stellt Therapieoptionen für Patientinnen ohne Kinderwunsch vor. Zudem diskutiert er den Einsatz von Hormonen bei diesen Patientinnen.

Hintergrund

Das PCO-Syndrom (PCOS) betrifft 5 bis 10 % aller Frauen. Insgesamt wird die Diagnose anhand von mind. 2 der 3 folgenden Kriterien gestellt:

  1. Oligo- oder Anovulation
  2. Klinische und / oder biochemische Zeichen einer Hyperandrogenämie
  3. Polyzystische Ovarien.1

Abgesehen von der Oligo- oder Anovulation, die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein können, sind klinische und/oder biochemische Zeichen eines Überschusses an männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie), wie z. B. Hirsutismus oder Alopezie, hinweisend. Wenn die Produktion der Androgene die Kapazität der Aromatisierung (s. Abb. 1) in weibliche Sexualhormone übersteigt, werden diese vermehrt ausgeschüttet und können zu entsprechender Symptomatik führen. Dies ist aber auch abhängig von der Rezeptorempfindlichkeit der einzelnen Patientin. 

PCO-Syndrom_Therapie

Weiterhin können PCOS-Patientinnen eine vermehrte Ansammlung von Follikeln bestimmter Größe im Eierstock aufweisen (Polyzystische Ovarien). Dieses Symptom ist namensgebend für das polyzystische Ovarialsyndrom.

Therapieoptionen

Primäres therapeutisches Standbein für Frauen mit dem PCO-Syndrom ist die Gewichtsabnahme, die in den meisten Fällen durch eine Lebensstilverbesserung zu erreichen ist. Denn etwa die Hälfte der Patientinnen mit PCOS ist übergewichtig oder adipös. Da dies direkten Einfluss auf die Insulinresistenz hat, steht eine Gewichtsreduktion an erster Stelle einer sinnvollen PCOS-Behandlung. Für normalgewichtige PCOS-Patientinnen ist eine gesunde Ernährung empfehlenswert.1

Als zusätzliche Maßnahme zur Lebensstiländerung kann Metformin in der PCOS-Behandlung in Erwägung gezogen werden, insbesondere, wenn die Patientin übergewichtig ist.1 Eine weitere Option in der Behandlung des PCO-Syndroms kann Myo-Inositol darstellen. Dies ist jedoch eher als experimentelles Verfahren zu betrachten.2

Sofern keine Kontraindikationen vorliegen, kann bei PCOS-Patientinnen ohne Kinderwunsch ein Kontrazeptivum eingesetzt werden. Dabei sind jedoch die substanzspezifischen Risiken einer Hormongabe, auch im Hinblick auf den Patientinnenwunsch, in die Überlegungen einzubeziehen.3-5

Schlussfolgerungen

Das PCOS ist eine häufige Erkrankung. Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung eines PCO-Syndroms mit seinen typischen Symptomen ist Übergewicht. Da das durchschnittliche Körpergewicht in Deutschland zunimmt, ist auch weiterhin mit einer steigenden Diagnose des PCOS zu rechnen. Kerntherapie der Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms sollte eine Gewichtsregulation sein, die in den meisten Fällen durch eine Lebensstilverbesserung zu erreichen ist. Der Einsatz weiterer Pharmaka bei Frauen mit PCOS, insbesondere der kombinierten Pille, sollte nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen.

Autor

Prof. Dr. med. Kai J. Bühling

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Literatur

  1. Teede, HJ.; Misso, ML.; Costello, MF.; et al.: International PCOS Network. Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. Fertil Steril 2018;110(3):364-379.
  2. Tagliaferri, V.; Romualdi, D.; Immediata, V.; et al.: Metformin vs myoinositol: which is better in obese polycystic ovary syndrome patients? A randomized controlled crossover study. Clin Endocrinol (Oxf) 2017;86(5):725-730.
  3. Holm, NS.; Glintborg, D.; Andersen, MS.; et al.: The prevalence of endometrial hyperplasia and endometrial cancer in women with polycystic ovary syndrome or hyperandrogenism. Acta Obstet Gynecol Scand 2012;91(10):1173-1176.
  4. Ding, DC.; Chen, W.; Wang, JH.; et al.: Association between polycystic ovarian syndrome and endometrial, ovarian, and breast cancer: A population-based cohort study in Taiwan. Medicine (Baltimore) 2018;97(39):e12608.
  5. de Medeiros, SF.: Risks, benefits size and clinical implications of combined oral contraceptive use in women with polycystic ovary syndrome. Reprod Biol Endocrinol 2017;15(1):93.