Kontrazeption bei Jugendlichen

Wie können Jugendliche optimal zur Verhütung in der gynäkologischen Praxis beraten werden? Im folgenden Wissen Spezial erläutern Dr. Katrin Schaudig und Dr. Kathrin Steffen wichtige Aspekte des Beratungsgesprächs.
Kontrazeptionsberatungsziele

Hintergrund

Verhütung bei Jugendlichen ist ein wichtiges Thema. Zum einen ist es ein bedeutender Tätigkeitsschwerpunkt in der gynäkologischen Praxis, zu Pille, Kondom und anderen Verhütungsmitteln zu beraten, zum anderen stellen sich viele Mädchen und junge Frauen wegen eines Beratungswunsches zur Verhütung erstmalig in der gynäkologischen Praxis vor.1 Hieraus entsteht häufig eine langjährige Arzt-Patientin-Beziehung.
Wichtige Themen im Beratungsgespräch mit Jugendlichen zur Kontrazeption sind die Aufklärung über den weiblichen Zyklus, die Entstehung einer Schwangerschaft, die Anwendung sowie Vor- und Nachteile verschiedener Verhütungsmethoden und die Risiken sexuell übertragbarer Krankheiten.

Therapieoptionen

Grundsätzlich gilt bei der Entscheidung für die geeignete Kontrazeptionsmethode für Mädchen und junge Frauen eine ähnliche Vorgehensweise wie bei Patientinnen jenseits des Teenageralters (siehe Abb. 1): Es geht um optimale kontrazeptive Sicherheit bei guter Verträglichkeit und minimalen Risiken.2,3

Zur Verhütung können Mädchen und jungen Frauen kombinierte hormonelle Kontrazeptiva wie orale Kontrazeptiva (umgangssprachlich die Antibaby-Pille), Verhütungsringe oder Verhütungspflaster verordnet bekommen. Weitere Methoden der Kontrazeption für sexuell aktive Jugendliche sind östrogenfreie Verhütungsmittel wie Gestagen-Monopräparate, das Verhütungsstäbchen oder die Hormonspirale. Das Einsetzen eines kupferhaltigen Intrauterinpessars ist ebenfalls möglich. Bestandteil des Beratungsgespräches zu Methoden der Kontrazeption sollten auch die Anwendung von Kondomen oder natürliche Methoden sein. Hat die Verhütung versagt, stehen Notfallkontrazeptiva wie die „Pille danach“ als Therapieoption zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft zur Verfügung.2-6

Kontrazeption-bei-jugendlichen-beratung

Schlussfolgerungen

Es gibt für Mädchen und junge Frauen eine große Auswahl an verschiedenen hormonellen und nichthormonellen Verhütungsmethoden mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen hinsichtlich ihrer kontrazeptiven Sicherheit, Risiken und Nebenwirkungen, die bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden müssen.⁶-⁹ Maßgeblich für die Entscheidungsfindung einer geeigneten Methode zur Vermeidung einer Schwangerschaft im Jugendalter ist die (Familien-)Anamnese. Über einen mehrstufigen Beratungsprozess (s. Abb. 2) gelingt es, gemeinsam mit der Patientin die für sie am besten geeignete Methode der Verhütung auszuwählen.

Autoren
Dr. med. Katrin Schaudig
Dr. med. Kathrin Steffen

 

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Literatur

  1. Statista. Verhütung Jugendlicher in Deutschland 2016.
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/629445/umfrage/verhuetung..., zuletzt aufgerufen in 07/2020.
  2. WHO. Implementation guide for the medical eligibility criteria and selected practice recommendations for contraceptive use guidelines. 2018.
    https://www.who.int/reproductivehealth/publications/family_planning/mec-..., zuletzt aufgerufen in 07/2020.
  3. DGGG. S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Registernummer: 015/015.  Stand: 01.08.2019.
    https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-015.html, zuletzt aufgerufen in 07/2020.
  4. Nelson, A. et al.: Two low-dose levonorgestrel intrauterine contraceptive systems: a randomized controlled trial. Obstet Gynecol. 2013;122(6):1205-13.
  5. Gemzell-Danielsson, K. et al.: A Phase III, single-arm study of LNG-IUS 8, a low-dose levonorgestrel intrauterine contraceptive system (total content 13.5 mg) in postmenarcheal adolescents. Contraception 2016;93(6):507-12.
  6. Schaudig, K.: Kontrazeption bei Jugendlichen. Menopause & Contraception 2010;1:1-16.
  7. BfArM. Checkliste für die Verschreibung kombinierter hormonaler Kontrazeptiva. Stand: August 2017.
    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigila..., zuletzt aufgerufen in 07/2020.
  8. Gierisch, JM. et al.: Oral contraceptive use and risk of breast, cervical, colorectal, and endometrial cancers: a systematic review. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2013;22(11):1931-43.
  9. Skovlund, CW. et al.: Association of hormonal contraception with suicide attempts and suicides. Am J Psychiatry 2018;175(4):336-42.