Notfallkontrazeption – ein Update

Welche Vor- und Nachteile haben Postkoitalpillen mit den zwei unterschiedlichen Wirkstoffen bzw. das Intrauterinpessar? Im folgenden Update erläutert PD. Dr. Sabine Segerer die verschiedenen postkoitalen Methoden.
Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland von 2010-2018

Hintergrund

Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder bei Versagen bzw. nicht adäquater Anwendung kontrazeptiver Maßnahmen können Notfallkontrazeptiva eingesetzt werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die tatsächliche Anwendung von Notfallkontrazeptiva scheint jedoch weiterhin nur mäßig zu sein, obwohl Postkoitalpillen seit der Entlassung aus der Verschreibungspflicht im März 2015 nun besser verfügbar sind. Dies spiegelt sich in den Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche wider: Nach einem kurzen Rückgang 2016 hat die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche wieder zugenommen.1 Ursächlich hierfür scheinen weiterhin bestehende Wissenslücken und Unsicherheiten zur Notfallkontrazeption zu sein.2-4

Therapieoptionen

Als Optionen für die Notfallkontrazeption stehen Postkoitalpillen oder auch die Einlage eines Intrauterinpessars (IUP) zur Verfügung. Zur hormonellen Notfallkontrazeption sind das Gestagenmonopräparat Levonorgestrel (LNG) und der selektive Progesteronrezeptormodulator Ulipristalacetat (UPA) zugelassen. Beide Wirkstoffe verzögern die Ovulation und wirken nur präovulatorisch.5-8 Die Postkoitalpillen sollten daher möglichst früh nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zur Anwendung kommen. Sie stellen keinen Ersatz für die reguläre Verhütung dar. Wichtig ist daher, nach Anwendung der hormonellen Notfallkontrazeption auf die Fortführung kontrazeptiver Maßnahmen hinzuweisen.
Im März 2015 erfolgte die Entlassung der Postkoitalpillen aus der Rezeptpflicht. Seither sind Apotheker / Apothekerinnen auch unmittelbar mit dem Thema konfrontiert. Die wirksamste Form der Notfallkontrazeption - das Kupfer-Intrauterinpessar (Kupfer-IUP), das u.a. die Implantation beeinträchtigt – ist weiterhin verschreibungspflichtig.9,10

Vergleich der verschiedenen Formen der Notfallkontrazeption¹¹

Optionen der Notfallkontrazeption im Vergleich

Zusammenspiel zwischen Apothekern / Apothekerinnen und Gynäkologen/Gynäkologinnen¹²⁻¹⁴

Notfallkontrazeption – Zusammenspiel Apotheker und Arzt

Schlussfolgerungen

Mit der Entlassung der sogenannten „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht hat sich der Zugang zu Notfallkontrazeptiva verbessert. Dennoch scheint die tatsächliche Anwendung nur mäßig zu sein, da weiterhin große Unsicherheiten und Wissenslücken bei den Patientinnen bestehen.²⁻⁴ Um diese zu schließen, sollte ein enger Austausch zwischen Apothekern / Apothekerinnen und Gynäkologen / Gynäkologinnen erfolgen mit dem Ziel, eine optimale Versorgung der Patientinnen zu erreichen und schließlich auch die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche zu senken.

Autorin

Priv.-Doz. Dr. med. Sabine Segerer

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Literatur

  1. Destatis – Statistisches Bundesamt: Gesundheit – Schwangerschaftsabbrüche. 27.02.2019.
    https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwang..., zuletzt aufgerufen in 06/2020.
  2. Bode, H.; Heßling, A.: Jugendsexualität 2015. Die Perspektive der 14- bis 25-Jährigen. Ergebnisse einer aktuellen Repräsentativen Wiederholungsbefragung. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln.
    https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung..., zuletzt aufgerufen in 06/2020.
  3. Newton, VL.; Dickson J.; Hoggart L.: Young women‘s fertility knowledge: partial knowledge and implications for contraceptive risk-taking. BMJ Sex Reprod Health 2020 46(2):147-151.
  4. von Rosen, FT.; von Rosen, AJ.; Müller-Riemenschneider, F. et al.: Awarenes and knowledge regarding emergency contraception in Berlin adolescents. Eur J Contracept Reprod Health Care 2017;22(1):45-52.
  5. Brache, V.; Cochon, L.; Jesam, C. et al.: Immediate pre-ovulatory administration of 30 mg ulipristal acetate significantly delays follicular rupture. Hum Reprod 2010;25(9):2256-63.
  6. Glasier, AF.; Cameron, ST.; Fine, PM. et al: Ulipristal acetate versus levonorgestrel for emergency contraception: a randomised non-inferiority trial and meta-analysis. Lancet 2010;375(9714):555-62.
  7. Noe, G.; Croxatto, HB.; Salvatierra, AM. et al.: Contraceptive efficacy of emergency contraception with levonorgestrel given before or after ovulation. Contraception 2011;84(5):486-92.
  8. Gemzell-Danielsson, K.; Berger, C.; Lalitkumar, PGL.: Emergency contraceptio – mechanisms of action. Contraception 2013;87(3):300-8.
  9. Zhou, L.; Xiao, B.: Emergency contraception with Multiload Cu-375 SL IUD: a multicente clinical trial. Contraception 2001;64:107-12.
  10. Cleland, K.; Raymond, EG.; Westley, E. et al.: Emergency contraception review: evidence-based recommendations for clinicians. Clin Obstet Gynecol 2014;57(4):741-50.
  11. Haeger, KO.; Lamme, J.; Cleland, K.: State of emergency contraception in the U.S., 2018. Contracept Reprod Med;2018;3:20.
  12. ABDA: Pille danach. 09.03.2018.
    https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/newsroom/detail/pille-danach, zuletzt aufgerufen in 06/2020.
  13. Said, A.; Ganso, M.; Freudewald, L. et al.: Trends in dispensing oral emergency contraceptives and safety issues: a survey of German community pharmacists. Int. J Clin Pharm 2019;41(6):1499-506.
  14. pro familia: Rezeptfreie Pille danach – Abgabepraxis und Information. 01.12.2015.
    https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Fachpublikationen/doku..., zuletzt aufgerufen in 06/2020.