Schilddrüse

Wann ist eine Substitution mit Jod sinnvoll und wann nicht?

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Nutzen und Risiken einer Jodsubstitution

Deutschland ist ein Land, in dem Jodmangel herrscht, daher ist die Jodsubstitution ein wichtiges Thema. Aus diesem Anlass erklärt Herr Prof. Onno Janßen, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologe am endokrinologikum Hamburg, wann eine Substitution sinnvoll ist und wann nicht. Die Schilddrüse benötigt ausreichend Jod zur Produktion des Schilddrüsenhormons Triiodthyronin (T3) sowie des Prohormons Tetraiodthyronin (T4, L-Thyroxin). Im PRAXISNAH on tour-Video beschreibt Prof. Janßen den komplexen Mechanismus der Hormonsynthese in der Schilddrüse und die Folgen eines Jodmangels. Ein Defizit erschwert die Bildung der Hormone T3 und T4. Dies kann zu Struma, Struma nodosa, Hypothyreose, Störungen der fetalen und neonatalen Entwicklung und in schweren Fällen zu Kretinismus führen. Daher wurde in den 80er/90er Jahren in Deutschland die Verwendung von Jodsalz und der Einsatz von Jod im Pökelsalz in der fleischverarbeitenden Industrie eingeführt. Dadurch ist es gelungen, Deutschland von einem ausgeprägten Jodmangelland in ein Gebiet mit einem milden Mangel zu wandeln. Dennoch weisen 30 bis 40 % der Bevölkerung noch immer einen relevanten Jodmangel auf. In Folge ist ein Drittel der deutschen Bevölkerung von Struma und/oder Struma nodosa betroffen. Zur Erläuterung möglicher Therapieansätze stellt Prof. Janßen im Video die Ergebnisse der LISA-Studie vor. Sie zeigen, dass die Kombination von Jodid und L-Thyroxin zur Reduktion von Struma und Knoten der Schilddrüse sinnvoll und erfolgreich ist.

Die Substitution von Jod ist auch für schwangere und stillende Frauen von Bedeutung, denn sie haben im Vergleich zur Normalbevölkerung einen höheren Bedarf. Beispielhaft stellt Prof. Janßen eine Studie zu Schwangeren vor, die zeigt, dass eine bessere Jodversorgung von Müttern zu einer höheren Intelligenz bei Kindern führt. Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und Stillende sollten demnach gezielt Jod substituieren. 

Eine Substitution des essenziellen Spurenelementes ist jedoch bei Patientinnen und Patienten mit latenter oder florider Hyperthyreose, verursacht durch Morbus Basedow oder eine Autonomie der Schilddrüse, kontraindiziert, da die Überfunktion verstärkt werden kann. Als Sonderfall erläutert Prof. Janßen das Vorgehen und Wirkprinzip der therapeutischen Überladung mit Jod bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion. Das sogenannte „Plummern“ kann zur Therapie einer Hyperthyreose vor Operationen der Schilddrüse angewendet werden, wenn eine Vorbehandlung mit Medikamenten nicht möglich ist oder aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen werden muss.

Darüber hinaus wird im Video diskutiert, ob eine Jodsubstitution zur Entstehung einer Autoimmunthyreoiditis, der Hashimoto-Thyreoiditis, beiträgt. Seien Sie gespannt auf weitere Hintergrundinformationen zum Nutzen und zu den Risiken einer Jodsubstitution.

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