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Mythen und Fakten zu Psoriasis

Übermäßiges Hautwachstum, Entzündungssymptome und Plaque-Herde – das sind die charakteristischen Merkmale der immunvermittelten entzündlichen Erkrankung „Psoriasis“. Die auch als Schuppenflechte bezeichnete Krankheit ist nicht heilbar und verläuft meist in Schüben. Rund um Psoriasis kursieren viele Mythen. Was ist Fakt und was ist Fiktion? Wir klären auf.

Psoriasis - Frau, Mann

Psoriasis in Zahlen

  • 125 Millionen Menschen sind weltweit von Psoriasis betroffen.1
  • 2,5 % der deutschen Bevölkerung leiden unter Psoriasis.2
  • 1 : 1 – Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.3
  • 3–6 Tage dauert die Hauterneuerung bei einem Psoriatiker. Die Folge: Plaquebildung. Normal sind 28 Tage.

Psoriasis ist ansteckend?

Viele Menschen glauben, dass Schuppenflechte ansteckend ist. Das ist falsch. Da es sich um eine immunvermittelte Erkrankung handelt, geht diese vom eigenen Körper aus und kann nicht übertragen werden.

Übrigens: Psoriasis hat auch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Psoriasis – Fische für Fisch-Spa, Kangalfisch (Garra rufa) und Chin-Chin-Fisch

„Fisch-Spas“ helfen gegen Schuppenflechte?

Fußbäder mit kleinen Fischen, die abgestorbene Haut absaugen, sind sehr beliebt. Auch Psoriatiker könnten davon profitieren. Zum Problem wird die sogenannte Ichthyotherapie dann, wenn auf eine günstige Fischart gesetzt wird. Normalerweise werden Kangalfische (Garra rufa) eingesetzt. Die Fische mit den weißen Punkten saugen die abgestorbene Haut mit ihren kleinen Mäulern nur ab. Viele Spas setzen jedoch auf die deutlich günstigeren Chin-Chin-Fische. Mit ihren kleinen Zähnen knabbern diese die abgestorbene Haut ab und hinterlassen dabei winzige Hautwunden. Bei Psoriatikern kann es dann zum Köbner-Phänomen kommen: Die neuen Wunden lösen neue Plaque-Herde aus. Deshalb sollten Psoriatiker bei einem Spa-Besuch sehr vorsichtig sein.

Psoriasis – Gläser mit Alkohol

Alkohol verschlechtert die Psoriasis?

Ein Glas Bier oder Wein ist schon okay? Bei Schuppenflechte eher nicht. Alkohol steht im Verdacht, die Konzentration des entzündungsfördernden TNF-alpha converting enzyme und damit den TNF-alpha Spiegel zu erhöhen.4 Mehrere Studien sehen Alkoholkonsum daher als Risikofaktor für Psoriasis.5 Auf Alkohol sollten Psoriatiker also besser verzichten.

Psoriasis – Knoblauch-Knolle

Viel Knoblauch ist gut bei Schuppenflechte?

Knoblauch ist als Naturheilmittel sehr beliebt und soll auch bei Psoriasis helfen. Es enthält viel Vitamin C und Selen und hat eine entzündungshemmende Wirkung. Das enthaltene Allicin hemmt ein Enzym, das u. a. für die Entzündungsreaktion verantwortlich ist.6 Da es sich bei Psoriasis um eine auf Entzündungsreaktionen basierte Krankheit handelt, könnte eine knoblauchreiche Ernährung demnach positiv für die Symptomatik sein.

Ein Bad im Meer tut Psoriatikern gut?

Salzwasser wird seit jeher eine therapeutische Wirkung bei Hauterkrankungen zugeschrieben. Für Menschen mit Psoriasis sind Bäder in Salzwasser jedoch nicht zu empfehlen. Das Salz im Wasser trocknet die Haut aus, und das ist für die Symptomatik kontraproduktiv. Der ohnehin lästige Juckreiz wird so nur verstärkt.

Das, was viele Psoriatiker im Urlaub am Meer als positiv wahrnehmen, liegt tatsächlich an der UV-Strahlung durch die Sonne. Diese kann die Ausprägung der Krankheit lindern. Aufgrund der Sonnenbrandgefahr sollten Patienten jedoch mit ihrem Arzt über eine mögliche UV-Kabinen-Therapie sprechen und sich nicht übermäßig der Sonne aussetzen!

Schuppenflechte mit Langzeitfolgen

Außerhalb eines Psoriasis-Schubs können Symptome wie diffus entzündete Haut, verdickte Nägel oder entzündete Gelenke auch auf andere Krankheiten hindeuten. Deshalb ist die Dunkelziffer der Psoriatiker hoch. Eine nicht entdeckte Erkrankung kann weitreichende Folgen für Ihre Patienten haben:

  • 20 % der Psoriasis-Patienten in Deutschland entwickeln Gelenkentzündungen (Psoriasis-Arthritis)7
  • Psoriasis-Arthritis kann unbehandelt zu Komorbiditäten und schweren Behinderungen führen8
  • Psoriasis-Arthritis selbst wird oft unterdiagnostiziert oder sogar falsch diagnostiziert – das hat schwerwiegende Folgen für den Patienten9
  • Auch die psychische Gesundheit ist ein wichtiger Faktor. Depressionen, Angst und Suizidgedanken begleiten viele Psoriatiker.10

Vorsicht bei Immunsuppressiva: Achten Sie verstärkt auf Infektionen, wenn Ihr Patient eine immunsuppressive Therapie erhält. Durch das gedämpfte Immunsystem steigt das Risiko für Infekte wie Bronchitis und Harnwegsentzündungen.11

  1. National Psoriasis Foundation. Psoriasis Statistics. Verfügbar auf: https://www.psoriasis.org/content/statistics. Zuletzt aufgerufen in 08/2018.
  2. Augustin M. et al.: Co-morbidity and age-related prevalence of psoriasis: Analysis of health insurance data in Germany. In: Acta Derm Venereol 2010; 90: 147–151.
  3. Boehncke W.-H., Schön M. P.: Psoriasis. Lancet 2015;386(9997):983–94.
  4. Serwin A. B., Sokolowska M., Dylejko E. et al.: Tumour necrosis factor (TNF-alpha) alpha converting enzyme and soluble TNF-alpha receptor type 1 in psoriasis patients in relation to the chronic alcohol consumption. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2008 Jun;22(6):712–7.
  5. Brenaut E., Horreau C., Pouplard C. et al.: Alcohol consumption and psoriasis: a systematic literature review. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2013 Aug;27 Suppl 3:30–5.
  6. Wills E. D.: Enzyme Inhibition by Allicin, the Active Principle of Garlic. In: Biochem. J. 63, 1956, S. 514–520.
  7. Reich K. et al.: Epidemiology and Clinical Pattern of Psoriatic Arthritis in Germany: a Prospective Interdisciplinary Epidemiological Study of 1511 Patients with Plaque-Type Psoriasis. BrJ Dermatol 2009; 160(5):1040–1047.
  8. Lloyd P. et al.: Psoriatic Arthritis: An Update. Arthritis, vol. 2012, Article ID 176298, 6 pages, 2012. Verfügbar auf: https://doi.org/10.1155/2012/176298. Zuletzt aufgerufen in 08/2018.
  9. Landells I. et al.: Skin Therapy Letter. 2008; 13: 4–7.
  10. Rapp S. R., Feldman S. R., Exum M. L. et al.: Psoriasis causes as much disability as other major medical diseases. In: J Am Acad Dermatol 1999; 1(3 Pt 1): 401–7.
  11. https://www.gesundheitsinformation.de/medikamente-zum-einnehmen-oder-spr..., zuletzt aufgerufen in 09/2018.