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NCDs – die größten Killer der Welt

Nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen verursachen Millionen von Todesfällen jährlich. Um diese globale Pandemie zu stoppen, müssen alle Gesellschaften eine Reihe von Strategien entwickeln. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Zugang zu Generika.

NCDs - Leiche

Woran weltweit Millionen sterben

Um die globale Gesundheit von einer wachsenden Last zu befreien, trafen Forscher 1990 eine wichtige Entscheidung. Sie gaben dem Problem einen Namen: „nichtübertragbare Krankheiten“ (NCDs) – dazu gehören Diabetes mellitus Typ 2, Krebs, genetische Defekte wie das Down-Syndrom, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine Reihe anderer Krankheiten. Für den britischen Arzt Luke Allen ist der Begriff ein Teil des Problems: „Der Name erzählt nur, was diese Krankheiten nicht sind. Er passt nicht zum derzeit weltweit größten Killer“, sagt der Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er hat 2017 einen Artikel in der renommierten Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht, um „die Debatte um Interventionen, die die Pandemie eindämmen“ zu fördern.

Jährlich 40 Millionen Tote

Die Zahlen der WHO zeigen, dass Begriffe wie „Pandemie“ und „weltweit größte Mörder“ gerechtfertigt sind: Zusammen verursachen alle NCDs jährlich mehr als 15 Millionen vorzeitige Todesfälle (Todesfälle vor dem 70. Lebensjahr), insgesamt töten sie sogar mehr als 40 Millionen Menschen jährlich. Sie höhlen die Gesundheit und die Lebensqualität der Betroffenen aus und sind eine wirtschaftliche und soziale Last für alle Länder. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten dadurch weltweit ein Schaden von bis zu 50 Billionen US-Dollar entstehen kann. Zum Vergleich: In 2016 betrug der Bundeshaushalt der USA 3,3 Billionen US-Dollar. Viele Länder sind sich der negativen Auswirkungen dieser chronischen Erkrankungen auf ihre Gesundheitssysteme bewusst. Doch fehlt dieses Bewusstsein oft in der Öffentlichkeit, weil sich die Medien Krankheiten wie Malaria, Ebola, Zika oder Aids viel mehr widmen als beispielsweise der Zunahme von Todesfällen, die durch Herzkrankheiten verursacht werden. Die Folgen: Weltweit wird für den Kampf gegen Aids 15 Mal mehr ausgegeben als für den Kampf gegen chronische Erkrankungen – obwohl 30 Mal mehr Menschen deswegen sterben als wegen einer HIV-Infektion.

Der populäre westliche Lebensstil

Ein zentrales Problem ist, dass der westliche Lebensstil fast überall auf der Welt populär geworden ist. „In vielen Schwellenländern haben die Risikofaktoren zugenommen. Ihre Städte sind überfüllt und verschmutzt. An vielen Arbeitsplätzen müssen die Menschen sitzende Tätigkeiten erledigen. Gleichzeitig steigen Verfügbarkeit und Akzeptanz von ungesunden Lebensmitteln, Tabak und Alkohol“, sagt Allen, für den die Regierungen eine wichtige Rolle spielen. Sie können rauchfreie Arbeitsplätze anordnen oder den Einsatz von Zucker, Salz und Fetten in Lebensmitteln gesetzlich regulieren. Doch viele Länder in der südlichen Hemisphäre haben sich darauf konzentriert, Infektionskrankheiten und nicht NCDs zu bekämpfen, und haben kaum Erfahrung in der Prävention bzw. der medizinischen Versorgung von nichtinfektiösen chronischen Krankheiten.

Ein weiterer Faktor ist die moderne Medizin. Sie hat dazu beigetragen, die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen zu verlängern. In weniger als drei Jahrzehnten nahm sie weltweit um sechs Jahre zu – und zwar auf 73 Jahre. Weil die Menschen heute überall älter werden, leben sie lange genug, um chronische Krankheiten zu entwickeln. Folglich ist die Anzahl der NCD-Fälle weltweit gestiegen.

Heute treten fast 75 % aller NCD-Todesfälle in Ländern mit niedrigem Einkommen auf. In Indien wurden 2017 beispielsweise mehr als 72 Millionen Fälle von Diabetes registriert. Es ist das Land mit der höchsten Diabetesrate weltweit. Vor fast 30 Jahren starben 15 von 100.000 indischen Bürgern an Diabetes, heute sind es 26. Zum Vergleich: In Japan, einem Land mit hohem Einkommen, ist im selben Zeitraum die Zahl der Menschen, die an Diabetes starben, gesunken – und zwar von 8 auf 7 pro 100.000 Einwohner.

In Ländern ohne eine primäre Gesundheitsversorgung führen chronische Krankheiten in einen Teufelskreis: Die Menschen werden krank und müssen ihr Geld für teure Behandlungen ausgeben. Die Folge: Sie werden noch ärmer, haben also weniger Geld für weitere Behandlungen, und werden noch kränker. So werden Millionen Menschen weiter in die Armut getrieben. Ein Zugang zu erschwinglichen Medikamenten könnte helfen, dieses Problem zu bewältigen.

Millionen Menschen Mut machen

„Die Förderung der Beschaffung und Nutzung sicherer, wirksamer und erschwinglicher Medikamente, einschließlich Generika ...“ – das schlägt die WHO als Maßnahme in ihrem „Globalen Aktionsplan zur Verhütung und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2013–2020)“ vor. Generische Arzneimittel enthalten den gleichen Wirkstoff wie Markenprodukte, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie sind in der Regel aber günstiger. Dass Menschen auf der ganzen Welt Zugang zu qualitativ hochwertiger Medizin für verschiedene Indikationen, beispielsweise in der Onkologie, erhalten, ist ein globales Vorhaben von Sandoz. „Wir bieten Krebsmedikamente in fast jedem Land der Welt an. Unser umfassendes Portfolio unterstützt uns bei diesem Vorhaben“, erzählt Peter Stenico, Head Specialty bei Sandoz Deutschland. Das Portfolio von Sandoz deckt mehr als 70 % der in der WHO-Liste aufgeführten wichtigsten Arzneimittel gegen Krebs ab. Damit diese Medikamente auch in Entwicklungsländern zugänglich sind, hat Sandoz globale Partnerschaften geschlossen.

Viele Länder haben inzwischen Strategien gegen die Risikofaktoren von NCDs entwickelt. Dazu gehören Alkoholkontrollen, Rauchverbote oder eine höhere Tabaksteuer. Sie sollen die Öffentlichkeit sensibilisieren und jeden Menschen dazu ermutigen, gesündere Entscheidungen zu treffen, um die
Risiken von NCDs zu reduzieren. Dennoch: Sobald ein Mensch chronisch erkrankt ist, ist er selten völlig heilbar, aber behandelbar. Der Schlüssel dafür sind eine richtige und frühzeitige Diagnose sowie bezahlbare Medikamente und der Aufbau von Kapazitäten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Novartis Access – Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs)

Daher hat Novartis das Programm Novartis Access gestartet. „Unser Programm bietet ein Portfolio von 15 Medikamenten gegen wichtige chronische Krankheiten und entsprechende Kapazitäten, die die Gesundheitssysteme in diesen Ländern stärken“, erklärt Dr. Harald Nusser, Leiter von Novartis Social Business. Das erste Land, in dem das Programm gestartet wurde, war Kenia im Jahr 2015. Heute läuft das Programm in sechs Ländern. „Innerhalb von nur zwei Jahren haben wir 800.000 Behandlungen von mehr als 400.000 Patienten ermöglicht. Deswegen planen wir, das Programm Novartis Access in den kommenden Jahren auf 30 weitere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen auszuweiten“, erzählt Nusser.

Der Kampf gegen den weltweit größten Mörder geht also weiter – unabhängig vom Namen töten die nicht übertragbaren Krankheiten pro Minute mehr als 75 Menschen. Das Bewusstsein für diese erschreckenden Zahlen ist ein wichtiger Schritt, um den größten Mörder der Welt zu besiegen.

 

Weiterführende Informationen

Interview mit Dr. Sania Nishtar (WHO):
„Wir haben das Wissen, um die NCD-Epidemie zu besiegen“