Gesundheitspolitik

Weichen gestellt: Automatische Zustimmung zur Organspende

Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Spenderorgan gefunden wird, so das Bundesgesundheitsministerium. Die Aufklärungsmaßnahmen zur Organspende in den letzten Jahren sind weitgehend verpufft. Damit zukünftig mehr lebensrettende Organtransplantationen durchgeführt werden können, setzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Hebel nun gleich zweifach an: bei den Krankenhäusern und den Spenderwilligen.

Maßnahmen für mehr Organspenden

Mit dem Ende August vorgelegten Gesetzesentwurf für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) will Jens Spahn die Situation in den Kliniken entschärfen. „Den Krankenhäusern fehlt häufig Zeit und Geld, um Organspender zu identifizieren. Genau da setzen wir an“, so der Minister. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Transplantationsbeauftragte mehr Zeit für Ihre Aufgaben bekommen und Entnahmekrankenhäuser mehr Geld für die Organentnahme.

Den Krankenhäusern fehlt häufig Zeit und Geld, um Organspender zu identifizieren. Genau da setzen wir an.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Gleichzeitig möchte Spahn bei der Frage der Spendeneinwilligung von einem „Ja“ auf ein „Nein“ umsatteln. Jeder, der nicht ausdrücklich mit „Nein“ widerspricht, soll damit automatisch als Spender gelten. Fakt ist: Mehr als 80 Prozent der Deutschen stehen einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Doch nur 39 Prozent haben ihren Entschluss in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung schriftlich festgehalten, so die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung.1 Diese Lücke will Spahn nun endlich schließen. Mit der Widerspruchslösung hat er die Diskussion um die Organspende auf ein Neues kontrovers entfacht.

  1. Repräsentativbefragung „Wissen, Einstellung und Verhalten der Allgemeinbevölkerung (14 bis 75 Jahre) zur Organ- und Gewebespende“ 2018, BZgA.