Wenn sich die Schilddrüse vergrößert

Eine Struma, auch Kropf genannt, ist eine Vergrößerung der Schilddrüse. Sie bildet sich meist aufgrund von Jodmangel.

Unser Körper ist auf die Zufuhr von Jod angewiesen.

Jod - fachsprachlich Iod - ist ein essentielles Spurenelement. Essentiell bedeutet, dass der Körper es nicht selbst herstellen kann, sondern auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen ist. Jod ist Grundbaustein der Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Der tägliche Jodbedarf beträgt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e.V. für

  • Kinder 100 bis 200 μg
  • ältere Menschen 180 μg
  • Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters 200 μg
  • Schwangere und Stillende 230 bis 260 μg

Jod gelangt über den Magen-Darm-Trakt zunächst ins Blut und dann in die Schilddrüse. Hier erfolgt der Einbau in die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Die Schilddrüse kann die Jodaufnahme dem Angebot anpassen und das vorhandene Jod speichern. Überschüssiges Jod wird über die Niere aus dem Körper ausgeschieden.

Auch wenn sich die Jodversorgung in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten verbessert hat, ist die Jodversorgung von Kindern nach wie vor nicht zufriedenstellend. Mehr als die Hälfte der Sechs- bis Zwölfjährigen erreichen nicht die notwendige Jodzufuhr.1 Als unmittelbare Folge des Jodmangels können verstärkt Schilddrüsenerkrankungen auftreten: sogenannte Jodmangel-Struma, im späteren Lebensalter auch die funktionelle Autonomie.

Jod in Schwangerschaft und Stillzeit
Das, was ein Baby für seine Entwicklung braucht, bekommt es zum Großteil über die Plazenta (Mutterkuchen) aus dem Blutkreislauf der Mutter. Doch die Stoffwechselmembran innerhalb der Plazenta stellt eine „natürliche Schranke“ dar, die nicht alle Stoffe ungehindert passieren können. Dazu gehören auch die Schilddrüsenhormone der Mutter. Jod ist daher ein wichtiges Spurenelement, das der Embryo in ausreichenden Mengen als Baustein seiner eigenen Schilddrüsenhormone benötigt. Bereits in der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche beginnt die kindliche Schilddrüse mit der Produktion von T3 und T4, um die Entwicklung des zentralen Nervensystems sowie Körperwachstum und Körperreifung sicherzustellen. Dafür benötigt auch der Fötus ab dem dritten Schwangerschaftsmonat Jod. Fehlt das Spurenelement, kann sich das negativ auf das Wachstum auswirken.

In der Schwangerschaft müssen zwei Schilddrüsen mit Jod versorgt werden: die der Mutter und die des Kindes. Während bei der Mutter ein erhöhtes Risiko für eine Struma besteht, hängen beim Baby vor allem die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems von einer ausreichenden Jod-Versorgung ab. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Jod-Bedarf deutlich erhöht: Während ein Erwachsener bei einer Aufnahme von 180 bis 200 µg hinlänglich versorgt ist, brauchen Schwangere 230 µg und Stillende sogar 260 µg Jod pro Tag, da das Jod mit der Muttermilch abgegeben wird. Deshalb sollte die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft kontrolliert werden.

Sofern kein medizinischer Grund gegen eine Jod-Einnahme spricht, sollte die Schwangere daher nach Rücksprache mit dem Arzt neben einer jodreichen Ernährung zusätzlich Jodid-Tabletten einnehmen. Das gleiche gilt für die Stillphase.

Empfohlene Jodzufuhr

Alter Jod (µg pro Tag)
Säuglinge  
0 bis unter 4 Monate* 40
4 bis unter 12 Monate 80
Kinder  
1 bis unter 4 Jahre 100
4 bis unter 7 Jahre 120
7 bis unter 10 Jahre 140
10 bis unter 13 Jahre 180
13 bis unter 15 Jahre 200
Jugendliche u. Erwachsene  
15 bis unter 51 Jahre 200
51 Jahre und älter 180
Schwangere 230
Stillende 260

*Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert.
Quelle: Dt. Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)

Einzelnachweise

  1. Buyken AE et al. Die Donald Kohorte. Ein  aktueller Überblick zu 25 Jahren Forschung im Rahmen der  Dortmunder Nutrional and Anthropometric Longitudinally Designed Study. 
    Bundesgesundheitsbl 2012 · 55:875–884 · DOI 10.1007/s00103-012-1503-6