Akuter Schmerz - chronischer Schmerz

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen akuten und länger andauernden, chronischen Schmerzen.

Was sind akute Schmerzen?

Akute Schmerzen setzen immer dann ein, wenn das Gewebe beschädigt wurde. Sie dauern nur eine gewisse Zeit an und sollen den Körper vor Schäden und Überlastung schützen; sie haben also eine Signal- und Schutzfunktion. Sie treten z. B. bei Schnittwunden, Prellungen, Knochenbrüchen, Entzündungen, Verbrennungen und Zahnschmerzen auf.

    Welche Ursachen haben akute Schmerzen?

    In der Regel lösen äußere Verletzungen oder innere Gewebeschädigungen akute Schmerzen aus. Das Schmerz auslösende Ereignis und der empfundene Schmerz hängen also direkt zusammen. Zu den äußeren Verletzungen zählen Schnittwunden, Verbrennungen oder auch Verätzungen.

    Auch akute Entzündungen innerer Organe, plötzliche Sauerstoffunterversorgungen wie beim Herzinfarkt, Schäden am Bewegungsapparat, wie bei einem Bandscheibenvorfall, oder Karies können akute Schmerzen verursachen. Aber auch körperliche oder seelische Anstrengungen des Alltags, wie langes Stehen, einseitige Bewegungen oder Stress können zu akuten Rücken-, Gelenk-, Muskel- oder Kopfschmerzen führen.

    Wie behandelt man akute Schmerzen?

    Bei akuten Schmerzen geht es zunächst darum, die Ursache zu beseitigen.

    Ist der Arm gebrochen, muss dieser zunächst ruhiggestellt werden, damit der Knochen wieder zusammenwachsen kann.

    Wenn die Ursache behandelt ist, verschwinden in der Regel auch die Beschwerden. Meistens brauchen Sie nur einige Stunden oder Tage abzuwarten - bis zum Abklingen von starken Schmerzen können Sie vorübergehend geeignete Medikamente einnehmen.

    Akute Schmerzen Chronische Schmerzen
    zeitlich begrenzte Schmerzen Dauerschmerzen
    spontane Warn- und Schutzfunktion des Körpers teilweise liegt keine klare Ursache mehr für den Schmerz vor
    sind eine Reaktion auf Gewebeschädigungen können sich versälbstständigen und zu einem eigenen Krankheitsbild werden

    Was sind chronische Schmerzen?

    Bei chronischen Schmerzen hat der Schmerz seine spontane Signalfunktion verloren. Er entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Krankheitsbild – der chronischen Schmerzerkrankung. Diese Schmerzen entstehen häufig infolge von Erkrankungen wie z. B. entzündlichen Gelenkerkrankungen, die nicht oder nur teilweise geheilt werden können.

    Wie entstehen chronische Schmerzen?

    Die Entstehung von chronischen Schmerzen verläuft von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Manchmal hängen chronische Schmerzen gar nicht mehr mit der zugrundeliegenden Krankheit zusammen, wie z. B. der Spannungskopfschmerz. Ähnlich verhält es sich mit chronischen Rückenschmerzen, die keine schwerwiegende organische Ursache haben. So kann z. B. ein Bandscheibenvorfall oder ein Hexenschuss bereits behoben sein; die Beschwerden halten aber weiter an.

    Beim chronischen Schmerzsyndrom kommt es zu einer Häufung von Symptomen, die sich in der Regel über Jahre hinweg entwickeln und an Intensität und Komplexität zunehmen. Oft beginnt die Erkrankung mit einer Grunderkrankung und Schmerzen in einer bestimmten Körperregion.

    Chronische Schmerzen können entstehen, wenn die Schmerzfühler – auch Schmerz-Rezeptoren genannt – dauerhaft gereizt sind. Sie sitzen am Ende von Nervenfasern. Bei einem Schmerz-Reiz leiten sie die Schmerzmeldung Richtung Gehirn weiter. Ist ein Schmerz-Rezeptor jedoch ständig gereizt, wird er sensibilisiert. Als Folge meldet er dann schon geringste Reize als Schmerzen.

    Neben der Grunderkrankung spielen auch genetische, körperliche, seelische oder soziale Risikofaktoren eine Rolle:

    • eine hohe innere Grundspannung
    • Stress und ständiges Ignorieren von Belastungsgrenzen
    • Angsterkrankungen und Depressionen
    • genetische Veranlagung
    • Neigung zu gesundheitsgefährdendem Verhalten
    • starke Schmerzerfahrungen, vor allem in der Kindheit
    • familiäre Schmerzerkrankungen
    • aus Angst vor Schmerzen Vermeidung von körperlicher Aktivität
    • negative Lebenseinstellung, Fokussierung auf Probleme
    • Unzureichende Krankheitsbewältigung
    • Unzureichende Medikation bei Schmerzen
    • Soziale, familiäre oder finanzielle Probleme
    • Positive Bewertung von Krankheit

    Das "Schmerzgedächtnis"

    Chronische Schmerzen können entstehen, wenn sich akute Schmerzen ständig wiederholen. Denn der Körper speichert Erfahrungen mit Schmerzen an mehreren Stellen des zentralen Nervensystems - auch an der Schaltstelle im Rückenmark verändert sich im Laufe der Zeit etwas. Das sogenannte "Schmerzgedächtnis" ruft dann Schmerzen hervor, ohne dass die Messfühler an den Enden der Nerven erregt werden müssen. Der Schmerz hat den ursprünglichen Anlass überdauert und ist zu einer Krankheit geworden.

    wiederkehrender Schmerz, chronischer Schmerz

    Wiederkehrende Schmerzen

    Es gibt Schmerzen, die weder akut noch chronisch sind - sie treten in bestimmten zeitlichen Abständen immer wieder auf. Typische wiederkehrende Schmerzen sind z. B. Migräne oder Menstruationsschmerzen bei Frauen. Hier spielt auch die Psyche eine wichtige Rolle. Wenn man einmal schlechte Erfahrung gemacht hat, wird der Schmerz vielleicht stärker wahrgenommen.

    Schmerz in Deutschland

    12 – 15 Millionen Menschen leiden an länger andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen1

    4 – 5 Millionen Menschen sind stark beeinträchtigt1

    9 – 13 Prozent aller Frauen leiden an Migräne1

    ca. 65 Prozent aller Erwachsenen leiden einmal im Jahr an Rückenschmerzen1

    Welche Ursachen können chronische Schmerzen haben?

    Chronischer Schmerz

    Chronische Schmerzen können viele verschiedene Ursachen haben.  

    Ein Grund sind chronische Erkrankungen, die eine Gewebeschädigung mit sich bringen wie z.B. Rheuma, Arthrose, Diabetes oder auch Krebs.

    Eine weitere Ursache für chronische Schmerzen sind Nervenschmerzen. Verantwortlich dafür sind verletzte, geschädigte oder entzündete Nerven. Nach einer Amputation können örtliche Schmerzen an durchtrennten Nerven in Form von Stumpfschmerzen und zentral (im Gehirn und Rückenmark) ausgelöste Schmerzen in Form von Phantomschmerzen auftreten. Auch bei der Gürtelrose kommt es anfangs zu heftigen Schmerzattacken. Auslöser sind Viren, die nach einer Windpocken-Erkrankung im Körper überlebt haben. Unter bestimmten Umständen können sie wieder aktiv werden und Nerven befallen. Bei einigen Menschen werden die Nerven so geschädigt, dass die Schmerzen nicht wieder verschwinden.

    Neben einer genetischen Veranlagung haben vor allem psychosoziale Faktoren einen Einfluss darauf, ob und wie stark sich eine Schmerzerkrankung ausbildet. Menschen mit psychischen Vorerkrankungen wie Depressionen oder Ängsten sind beispielsweise stärker gefährdet als psychisch gesunde Personen. Auch soziale Faktoren wie das familiäre Umfeld und die berufliche Situation spielen eine wichtige Rolle.

    Doch nicht immer ist die Ursache klar. Schmerz kann selbst zu einer Erkrankung werden, auch wenn eine körperliche (somatische) Ursache nicht oder nicht mehr vorhanden ist, und hat damit seine biologisch sinnvolle Warnfunktion verloren. Verantwortlich dafür ist das Gehirn. Es reguliert, wie stark man Schmerzen wahrnimmt. Es kann sozusagen Schmerzen lernen und „auf Schmerzen programmiert“ werden und ein Schmerzgedächtnis entwickeln.

    Wie behandelt man chronische Schmerzen?

    Chronische Schmerzen sind eine komplexe Erkrankung. Dementsprechend gibt es kein Allheilmittel gegen chronische Schmerzen. Viele Ärzte setzen auf eine ganzheitliche Therapie, die der jeweiligen Schmerzform angepasst ist. Welches Verfahren zur Behandlung einer speziellen Schmerzform geeignet ist, muss individuell und auf Basis einer umfassenden Untersuchung entschieden werden. Die moderne Schmerztherapie bietet viele Möglichkeiten, chronische Schmerzen zu lindern.

    So führen Sie ein Schmerztagebuch

    Damit Sie Ihrem Arzt genauer schildern können, wie es Ihnen in welchen Situationen geht, sollten Sie einige Wochen lang ein Schmerztagebuch führen. Dort tragen Sie ein, wann die Schmerzsymptome auftreten und wie intensiv sie sind. Notieren Sie auch, in welcher Situation sie besonders stark sind und wie Sie sich dabei fühlen.

     

    1. Deutsche Schmerzliga e.V.: Chronischer Schmerz: Daten, Fakten, Hintergründe. Stand 01.2013. schmerzliga.de/download/Dossier_Schmerzliga.pdf, zuletzt aufgerufen in 05/2019.