Schmerzempfinden

Jeder Mensch nimmt Schmerzen anders wahr. Das liegt vor allem daran, dass das Schmerzempfinden ein sehr komplexer Prozess ist, gesteuert von der der subjektiven Wahrnehmung und der Psyche.

Wie intensiv ein Mensch auf Schmerzreize reagiert, liegt auch in den Genen begründet. Inzwischen ist eine Vielzahl an Genen identifiziert, die das Schmerzgeschehen wie etwa Druckempfinden, Kälte- und Hitzeschmerz oder die Schmerzverarbeitung mit beeinflussen. Das Marsili-Syndrom, bei dem man gar keinen Schmerz empfindet, ist z. B. auf eine Genveränderung auf dem Chromosom 14 zurückzuführen.

Schmerz ist subjektiv

Bestimmt ist Ihnen schon aufgefallen, dass bei dem gleichen Schmerzreiz der eine kaum etwas empfindet, ein anderer hingegen vor Schmerzen aufschreit?

Schmerz ist eine subjektive Sinneswahrnehmung. Wie ein Schmerzreiz wahrgenommen wird, hängt von den körperlichen, sozialen, gesellschaftlichen und psychologischen Umständen ab.

Jeder Mensch verarbeitet einen Schmerzreiz anders - abhängig von seinen individuellen Voraussetzungen, wie zum Beispiel seiner Persönlichkeit, seiner Erziehung, seinen früheren Erfahrungen usw.

Ausgelöst durch körperliche Faktoren kann das Schmerzempfinden auch durch Depressionen, Ängste oder Stress verstärkt werden.

Suchen Sie Kontakt zu anderen!

Vor allem dann, wenn Sie dauerhaft unter Schmerzen leiden, sollten Sie versuchen, den Kontakt zu Ihren Mitmenschen nicht abbrechen zu lassen. Das sorgt für Ablenkung. Denn wer sich nicht völlig auf den Schmerz konzentriert, nimmt ihn auch nicht als so schmerzhaft wahr.

Ein netter Abend mit Freunden und Bekannten kann Sie aufmuntern und Ihr Selbstvertrauen stärken. Oder unternehmen Sie alleine etwas, gehen Sie unter Menschen, in die Oper oder in eine Ausstellung. Werden Sie Mitglied in einem Verein oder in einem Club für Schach- oder Doppelkopfspieler. Denn Schmerzpatienten, die viel allein sind, berichten vermehrt von Magenbeschwerden, Schwindel, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit. Sie haben eher Depressionen oder Ängste und fühlen sich hilflos.

Lassen sich Schmerzen messen?

Um eine gezielte Schmerztherapie durchführen zu können, ist es für den Arzt wichtig, den Schmerz so genau wie möglich zu erkennen. Doch ist das nicht ganz so einfach wie beim Fieber messen. Denn Schmerz ist vor allem ein subjektives Erlebnis und wird durch verschiedene Aspekte –biologische, psychologische, soziale und kulturelle – beeinflusst. Dennoch ist er messbar.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Schmerzmessung. Bei der experimentellen Schmerzmessung können Schmerzsignale im Gehirn lokalisiert, sichtbar gemacht und miteinander verglichen werden.

Schmerzen messen, Schmerzskala

Bei der klinischen Schmerzmessung beurteilt der Patient selbst, wie stark er die körperlichen Schmerzen empfindet. Denn meist ist es für den Arzt schwer zu beurteilen, wie sehr ein Patient unter seinen Schmerzen leidet. Oft empfinden Patienten starke Schmerzen, die der Arzt kaum für möglich hält. Daher sollten Patienten ihre Schmerzintensität mehrmals täglich messen. Hierfür gibt es spezielle Schmerzskalen. Damit lässt sich die aktuelle Schmerzstärke auf einer Skala von 0 („Kein Schmerz“) bis 10 („Stärkster vorstellbarer Schmerz“) ablesen.

Mittels weiterer Skalen kann der Patient das emotionale Schmerzerleben und den Grad der körperlichen Beeinträchtigung, der durch die Schmerzen auftritt, bewerten. Auch wenn der Patient den Schmerz immer nur subjektiv beurteilen kann, so bilden diese Tests die vom Patienten tatsächlich erlebten Schmerzen gut ab. Und vor allem geben diese Informationen wichtige Hinweise für die Auswahl einer geeigneten Schmerztherapie und auf ihre Wirksamkeit.

Schmerz, Psyche

Schmerz & Psyche

Schmerz und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden. Wie wir Schmerz empfinden, hängt daher nicht nur von dem reinen Schmerzsignal ab, das an das Gehirn weitergeleitet wird.

Vielmehr sind mehrere Hirnareale an der Schmerzwahrnehmung beteiligt, auch das Limbische System, das unter anderem für die Steuerung von Gefühlen zuständig ist.

Neben körperlichen Faktoren spielen die aktuelle Stimmungslage, die Erwartungshaltung und die Aufmerksamkeit, die man dem Schmerz entgegenbringt, eine Rolle. Experten sprechen daher von "bio-psycho-sozialem Schmerz", den jeder Mensch tatsächlich individuell empfindet.

Wie stark wir Schmerz empfinden, hängt auch davon ab, welche Bedeutung wir ihm beimessen und welche Aufmerksamkeit wir ihm schenken.

Es gibt also keinen Schmerz ohne die Beteiligung von Gefühlen, ganz gleich ob der Schmerz akut oder chronisch ist. Daher ist die Psychotherapie ein wichtiger Baustein einer ganzheitlichen Schmerzbehandlung.

 

Schmerzen selbst beeinflussen

Auch wenn Sie zu den Menschen gehören, die empfindlicher auf Schmerzen reagieren, können Sie selbst beeinflussen, wie sehr Sie unter Ihren Schmerzen leiden.

  • Vermeiden Sie Stress.
  • Gönnen Sie sich hin und wieder eine Verschnaufpause - privat und beruflich.
  • Entspannen Sie sich bei Ihrer Lieblingsmusik oder einer Tasse Tee.
  • Ärgern Sie sich nicht allzu sehr über sich selbst und andere.
  • Verkriechen Sie sich nicht in Ihren vier Wänden, sondern laden Sie Freunde zu sich nach Hause ein.
  • Bleiben Sie aktiv.
  • Ersetzen Sie negative Gedanken durch positive.
  • Falls Sie ins Krankenhaus müssen, sorgen Sie rechtzeitig dafür, dass Sie regelmäßig Besuch bekommen. Abwechslungsreiche Gespräche muntern Sie auf und bringen Sie auf andere Gedanken.