Wissen für Angehörige

Mitzuerleben, wie ein Mensch tagaus und tagein unter Schmerzen leidet, ist auch für Angehörige nicht leicht. Helfen können dabei das Wissen über Schmerzen, aber auch Tipps zum richtigen Umgang mit Schmerzpatienten.

Wenn der Schmerz das Leben bestimmt

Chronischer Schmerz ist für Patienten eine erhebliche Belastung, und dies über Wochen, Monate oder sogar Jahre. Darunter leidet nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Stimmung.

Alles dreht sich nur noch um den Schmerz: jedes Gespräch, der Alltag, kurz: das ganze Leben.

Chronische Schmerzpatienten geraten ohne schmerzlindernde Therapie leicht in einen Kreislauf von Angst, Hoffnungslosigkeit und Depression. Dies kann zahlreiche Auswirkungen auf das tägliche Leben und soziale Kontakte haben.

Manche Patienten verlassen wegen ihrer starken Beschwerden das Haus nur noch, wenn es unumgänglich ist, z.B. für einen Arzt- oder Apothekenbesuch, sie ziehen sich zurück. Viele Schmerzpatienten essen zum Teil nicht genug und schlafen schlecht. Sie sind oft gereizt und verlieren die Hoffnung auf Besserung.

Ein zentraler Therapieansatz ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe, das heißt, dass Aufgaben nicht abgenommen werden, sondern falls nötig nur eine entsprechende Unterstützung angeboten wird.

Viele Angehörige müssen oftmals leidvoll erfahren: Der Betroffene ist nicht mehr so, wie sie ihn kennen. Der Schmerz hat ihn verändert. Gereiztheit, Wut und Zorn sind vor allem in der ersten Zeit nach der Diagnose ein häufiger Begleiter.

Nicht nur für den Betroffenen ist es wichtig, diese Situation zu verstehen und anzunehmen, sondern auch für Angehörige. Sie lernen, dass die "Launen" des Schmerzpatienten keine Böswilligkeit sind, sondern Ausdruck des Leidens.

Zudem kommen auf Angehörige neue Aufgaben, aber auch eine neue Rolle zu. Sie haben in der Regel den stärksten Einfluss auf den Schmerzpatienten. Und dies ist sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne gemeint.

Durch zu viel Besorgnis und Fürsorge unterstützen Familienmitglieder beispielsweise den Schmerzpatienten darin, sich dem Schmerz hinzugeben. Dieses Verhalten erstickt oft jede Eigeninitiative und Aktivität bereits im Keim.

Doch können Angehörige auch positiv Einfluss nehmen. Sie können Gesellschaft leisten, zu gemeinsamen Aktivitäten motivieren und vom Schmerz ablenken.

Schmerzpatient Umgang

Tipps im Umgang mit Schmerzpatienten

  1. Zuhören
    Nehmen Sie Ihren Angehörigen und seine Schmerzen stets ernst. Hören Sie ihm zu und fragen Sie nach. Aktives Zuhören signalisiert Nähe und Interesse, hilft aber auch, die Schmerzzustände genauer einordnen zu können.

  2. Sich medizinisch informieren
    Medizinisches Hintergrundwissen hilft den meisten Menschen, Krankheitssituationen besser zu verstehen. Angehörige sollten über Schmerzursachen, Medikamente und andere Therapiemöglichkeiten informiert sein, um beratend unterstützen zu können.

  3. Hilfe anbieten und Selbstständigkeit fördern
    Patienten mit chronischen Schmerzen sind in ihrem Alltag oft eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen. Doch können sie vieles noch selbstständig erledigen, und das sollten sie auch. Anteilnahme verbunden mit Motivation wirkt sich günstig aus. Allzu viel Fürsorge und Besorgnis können den Patienten in seiner positiven Entwicklung hemmen.

  4. Für Ablenkung sorgen
    Gespräche und passende Aktivitäten mit der Familie, Freunden und Arbeitskollegen schaffen Spaß und neue Eindrücke. Sie können im Umgang mit dem Schmerz eine große Hilfe sein und von den Beschwerden ablenken. Auch der Kontakt zu Tieren kann helfen, den Schmerz zu bewältigen.

  5. Bei Arztbesuchen unterstützen
    Arztbesuche sind für Schmerzpatienten oft körperlich beschwerlich und lösen Unsicherheit und Angst aus. Angehörige können sie dabei nicht nur seelisch unterstützen, sondern auch dem Arzt wertvolle Hinweise zum Zustand des Patienten geben.

  6. Sich bei Konflikten professionell helfen lassen
    Bei Konflikten sollte sich eine Familie nicht scheuen, sich fachmännische Hilfe zu holen, z. B. in einer Familienberatungsstelle oder einer Paar- oder Familientherapie. Liegt eine schwerwiegende Erkrankung wie z. B. Krebs vor, sollte man die Angebote psychosozialer Beratungsstellen nutzen. Auch für sexuelle Probleme gibt es entsprechende Anlaufstellen.