Kontrazeption und Chloasma

Eine Kasuistik von Prof. Dr. med. Thomas Römer

Diagnose: Chloasma (Melasma)

Anamnese und Beschwerden

Eine 28-jährige Patientin stellt sich nach 2 Schwangerschaften mit der Fragestellung der Anwendung von oralen Kontrazeptiva (OC) vor. Die Patientin berichtet vor allem von symmetrisch auftretenden gelblich-bräunlichen Flecken während der Schwangerschaft, insbesondere im Bereich der Wange und der Stirn. Nach der Schwangerschaft bildeten sich die Hautveränderungen wieder zurück.

Definition

Unter Chloasma versteht man meist symmetrisch auftretende scharf begrenzte, unregelmäßig gestaltete gelblich-braune Flecken an Stirn, Wange und Kinn. Das Chloasma resultiert aus einer verstärkten Melanozytenaktivität bei genetischer Disposition. Unterschieden werden: das Chloasma gravidarum (in der Schwangerschaft), Chloasma hormonale (Östrogen- oder Gestagenbedingt), Chloasma medicamentosum (z. B. Antibiotika, OTC), das Chloasma cosmeticum (z. B. Psoralene). Das Chloasma ist eine der häufigsten Hautveränderungen unter Einnahme von OC (Prävalenz bis zu 20 %). Bei den meisten OC – Anwenderinnen (90 %) bestand bereits in vorangegangenen Schwangerschaften ein Chloasma gravidarum. In den vom Chloasma betroffenen Hautbezirken erfolgt eine erhöhte Expression von Estrogen-Rezeptoren.

Prof. Dr. med. Thomas Römer

Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Evang. Krankenhaus Köln-Weyertal

Kontrazeption mit OC möglich?

Die Anwendung von OC ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Alternativen

Hormonspirale, Minipillen, estrogenfreier Ovulationshemmer, Depot-Gestagene (kein Norethisteron), Vaginalring, transdermales kontrazeptives Pflaster, IUP, Barriere-Methode

Einfluss auf die Grunderkrankung

Bei der Patientin sind zunächst alternative Methoden zu diskutieren. Sollte jedoch eine Anwendung von OC bevorzugt werden, sind nur Präparate mit 20 µg Ethinylestradiol zu verwenden. Die Einnahme am Abend ist zu empfehlen und intensive Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden. In der Royal College of General Practitioners`Oral Contraception Study wurde eine statistisch signifikante Zunahme des Chloasma festgestellt. Das Chloasma entwickelte sich zwischen dem 1. und 20. Einnahmezyklus und bildet sich nur langsam nach dem Absetzen der OC zurück. Es kann aber auch danach bestehen bleiben. Die Hyperpigmentierung verstärkt sich bei OC-Anwenderinnen durch intensive Sonneneinstrahlung und durch den Besuch im Solarium. Die OC-Einnahme sollte daher bei intensiverer Sonneneinstrahlung am Abend erfolgen, damit die höchsten Steroidspiegel nachts auftreten1,2,3. Kosmetika können das Chloasma noch weiter verstärken. Frauen mit einem dunklen Hauttyp sind besonders anfällig, deshalb sind bei diesen Frauen OC möglichst zu vermeiden3. Die zusätzliche Anwendung einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor wird empfohlen1,3. Auch synthetische Gestagene können ein Chloasma induzieren.

    Literatur

    1. Deharo C, Berbis P, Privat Y. Dermatological complications caused by oral contraceptives. Fertil Contracept Sex. 1998;16:299-304
    2. Lieberman R, Moy L. Estrogen receptor expression in melasma: results from facial skin of affected patients. J Drugs Dermatol. 2008;7:463-465
    3. Thomas P, Dalle E, Revillon B, Delecour M, Devarenne-nicolle MF, Pagniez I. Cutaneous effects in hormonal contraception. NPN Med. 1985;5:19-24