Kontrazeption bei Morbus Werlhof

Eine Kasuistik von Prof. Dr. med. Thomas Römer

Diagnose: Morbus Werlhof

(Werlhof-Krankheit, idiopathische thrombozytopenische Purpura, Autoimmunthrombozytopenie)

Anamnese und Beschwerden

Bei einer 38-jährigen Patientin wird aufgrund einer erhöhten Blutungsneigung mit Petechien, die Diagnose eines Morbus Werlhof gestellt. Die Patientin leidet auch unter Hypermenorrhoen trotz der Anwendung einer EE2-LNG-Pille, die zyklisch eingenommen wird. Die Patientin stellt sich jetzt vor mit der Fragestellung einer Fortführung der oralen Kontrazeption und auch gleichzeitig einer Behandlung der Blutungsneigung.

Definition

Der Morbus Werlhof ist eine Thromobzytopenie infolge verkürzter Thrombozyten-Lebensdauer durch antithrombozytäre Autoantikörper. Die akute Form wird durch Viren oder Arzneimittel induziert, während sich die chronische Form als Autoimmunkrankheit ohne erkennbare Ursache einstellt. Charakteristisch ist die erhöhte Blutungsneigung mit Petechien, gastrointestinalen Blutungen und Hämaturie.

Prof. Dr. med. Thomas Römer

Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Evang. Klinikum Köln-Weyertal GmbH

Kontrazeption mit OC möglich?

Die Verordnung von OC ist möglich.

Alternativen

Vaginalring, Depotgestagene, Hormonspirale. Minipille, östrogenfreier Ovulationshemmer und IUP sollten aufgrund der möglichen verstärkten Blutungen vermieden werden.

Einfluss auf die Grunderkrankung

OC sind nicht kontraindiziert; nach Ausschluss von Risikofaktoren bei den häufig bestehenden Blutungsstörungen (Hypermenorrhoe) indiziert. Dann ist die Langzeiteinnahme (LZE) zu bevorzugen3. Niedrigdosierte Mikropillen sind zu bevorzugen, Dreistufenpräparate zu vermeiden. OC haben keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Thrombozytenanzahl1,2,4. Insbesondere bei niedrigdosierten Mikropillen ist kein Einfluss auf die Thrombozyten zu erwarten. Bestehen Thrombozyten-aggregationsstörungen, so sollten Depot-Gestagene oder die Hormonspirale Anwendung finden. OC sollten beim Morbus Werlhof aufgrund der verstärkten Blutungen möglichst als LZE verordnet werden.

    Literatur

    1. Abbate R, Pinto S, Rostagno C, Bruni V, Rosati D, Mariani G: Effects of long-term gestodene-containing oral contraceptive administration on hemostasis. Am J Obstet Gynecol 163 (1990) 424–430.
    2. David JL, Gaspard UJ, Gillain D, Raskinet R, Lepot MR: Hemostasis profile in women taking low-dose oral contraceptives. Am J Obstet Gyncol 163 (1990) 420–423.
    3. Martin-Johnston MK, Okoji OY, Armstrong A: Therapeutic amenorrhea in patients at risk for thrombocytopenia. Obstet Gynecol Surv 63 (2008) 395–402.
    4. Thomson JM, Poller L, Bocaz JA, Barja P, Bonnar J, Daly L, Carrol A, Coutinho E, Goncalves M, Tsakok M, Koh S, Holck S, Ayeni O, Pinol A: A multicentre study of coagulation and haemostatidc variables during oral contraception and haemostatic variables during oral contraception: variations with four formulations. Brit J Obstet Gynaecol 98 (1991) 1117–1128.