Über die Schilddrüse

Sie ist klein und erinnert an die Form eines Schmetterlings. Bis ins kleinste Detail steuert dieses Organ viele Funktionen unseres Körpers. Wie sie das macht, erfahren Sie hier.

Anatomie und Aufbau

Im Bereich des Kehlkopfes, vor und zu beiden Seiten der Luftröhre gelegen, befindet sich ein für den menschlichen Körper lebenswichtiges Organ: die Schilddrüse.

Rechter und linker Seitenlappen der Schilddrüse sind über eine kleinere Brücke (Isthmus glandulae thyroideae) miteinander verbunden. Dieser Aufbau aus Seitenlappen und Mittelstück zeigt das für die Schilddrüse typische Bild eines Schmetterlings. Beim gesunden Menschen wiegt das Organ zwischen 20 und 30 Gramm.

Diese Angaben sind jedoch anatomische Normwerte: Die Größe der Schilddrüse ist von Mensch zu Mensch verschieden, auch ohne, dass ein krankhafter Befund vorliegen muss.

Bei einer krankhaften Schilddrüsenvergrößerung, der sogenannten Struma (Kropf), vergrößert sich die Schilddrüse und dehnt sich aus. Erfolgt diese Ausdehnung nach außen, so wird eine Verdickung sichtbar. Vergrößert sich die Schilddrüse nach innen, so kann es im fortgeschrittenen Stadium zu Atem- oder Schluckbeschwerden kommen, da Luft- oder Speiseröhre eingeengt werden.

Physiologische Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse übernimmt im menschlichen Körper zahlreiche wichtige Funktionen. Sie ist unter anderem zuständig für die Produktion der beiden Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Die Wirkungen der Schilddrüsenhormone sind sehr vielfältig. Außerdem sind sie zum Teil mit den Wirkungen anderer Hormone eng verflochten:

T3 und T4 beeinflussen zum Beispiel den Sauerstoffverbrauch der Zellen, die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, also den gesamten Energiestoffwechsel, die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Traktes, Wachstums- und Differenzierungsvorgänge sowie die geistige Entwicklung bei Ungeborenen und Kindern.

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen, eine sogenannte Schilddrüsenunterfunktion (medizinisch: Hypothyreose), hat negative Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung des Körpers. Gerade im Kindesalter kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen zu schweren geistigen und körperlichen Entwicklungsschäden führen.

Schilddrüsen-Normwerte und Schilddrüsenhormone

Die beiden bekanntesten Schilddrüsenhormone sind: Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Ein wichtiger Bestandteil beider Hormone ist Jod, auch Iod genannt (siehe Jod und Jodmangelassoziierte Krankheiten).

Jeden Tag gibt die gesunde Schilddrüse etwa 100 μg (Mikrogramm) T4 und 10 μg T3 ab. T3 entsteht aber auch nach der Freisetzung aus der Schilddrüse im Körpergewebe durch enzymatische Umwandlung aus T4. Der überwiegende Teil von T3 und T4 (> 99 %) nutzt Eiweiße als Transportmittel und gelangt so in die entsprechenden Zielorgane. Weniger als ein Prozent finden sich als "freie Hormone" im Blut (fT3, fT4). Stoffwechselaktiv sind aber nur die freien Hormone, wobei fT3 viel stärker wirksam ist als fT4.

Normwerte der Schilddrüse beim gesunden Erwachsenen:

T3 gesamt: 0,78 - 1,82 ng/ml
  frei: 2,5 - 4,4 ng/l
T4 gesamt: 5,6 - 12,3 µg/dl
  frei: 0,99 - 1,62 ng/dl
TSH   0,4 - 4,2 mU/l

ng: Nanogramm; μg: Mikrogramm; U: Units; mU: Milli-Units
Quelle: Laborwerte, Gräfe und Unzer Verlag GmbH München, 1. Auflage 2016

Hormoneller Regelkreis der Schilddrüse

Die Schilddrüse produziert und speichert die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Wann und in welcher Menge die Hormone dem Körper zur Verfügung gestellt werden, wird von übergeordneten Stellen im Gehirn geregelt. Die Schilddrüse ist nämlich in einen hormonellen Regelkreis eingebunden, der über einen Rückkopplungsmechanismus eine kontrollierte Abgabe der Schilddrüsenhormone gewährleistet. Eine wichtige Rolle spielen hierbei zwei Bereiche im Gehirn, der Hypothalamus (ein Teil des Zwischenhirns) und die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).

Rückkopplungsmechanismus

Kommt es zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen im Körper, sinkt zunächst der Hormonspiegel von T3 und T4 im Blut unter den Normwert. Dieses Absinken wird vom Gehirn registriert: Die Hypophyse setzt TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon) frei, welches die Produktion von T4 und T3 anregt. T4 und T3 werden ins Blut abgegeben, so dass der Hormonspiegel wieder auf den Normwert steigt.

Eine Kontrolle der TSH-Freisetzung durch die Hypophyse erfolgt mittels TRH (Thyreotropin Releasing Hormone), das vom übergeordneten Hypothalamus freigesetzt wird.

Schilddrüse, Hormoneller Regelkreis