Wenn sich die Schilddrüse vergrößert - Struma und Knoten

Eine Struma, auch Kropf genannt, ist eine vergrößerte Schilddrüse. Sie bildet sich meist aufgrund von Jodmangel.

Was ist eine Struma?

vergrößerte Schilddrüse, Struma, Jodmangel

Eine tastbare, sichtbare und/oder mit Ultraschall messbare Schilddrüsenvergrößerung bezeichnet man unabhängig von der Ursache als Struma oder Kropf. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung unterscheidet man zwischen Struma ohne (Struma diffusa) oder Struma mit Knotenbildungen (Struma nodosa). Die Vergrößerung der Schilddrüse sagt dabei nichts über ihre Leistung aus. Sie kann trotz der Vergrößerung weiterhin ganz normal funktionieren.

Ein Kropf kann so klein sein, dass er nur wenige Millimeter größer ist als eine nicht vergrößerte Schilddrüse und nicht auffällt. Es kann aber auch vorkommen, dass die vergrößerte Schilddrüse eine Größe von 20 cm erreicht und am Hals deutlich sichtbar ist.

Die Schilddrüse kann sich durch eine Vergrößerung des Gewebes nach außen ausbreiten, so dass es im fortgeschrittenen Stadium zu einer sichtbaren Verdickung am Hals kommt. Umgekehrt ist auch eine Ausbreitung des Gewebes nach innen möglich, bis hin zu einer Einengung der Luftröhre. Häufige Symptome des ständigen Drucks im Halsbereich durch die Schilddrüsenvergrößerung sind daher Schluck- und Atembeschwerden.

Die mit Abstand häufigste Ursache für eine Struma ist Jodmangel. Aufgrund des Defizits versucht die Schilddrüse, das zu wenig vorhandene Jod bestmöglich zu verwerten. Um dem Bedarf an Schilddrüsenhormonen gerecht zu werden, vergrößert sich das Gewebe und aus dem kleinen Organ entwickelt sich eine Jodmangel-Struma. Neben Jodmangel kommen noch weitere, jedoch seltenere Ursachen für das Entstehen einer Struma in Frage. Dazu gehören auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis.

Die Schilddrüse wirksam verkleinern

Eine Struma stellt lediglich ein Symptom dar und kann verschiedene Ursachen haben. Daher gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Therapie. Alle Behandlungen verfolgen das Ziel, die Schilddrüsenvergrößerung wieder zu verkleinern.

Vor der Behandlung sollte durch entsprechende Blutuntersuchungen eine Schilddrüsenüberfunktion ausgeschlossen werden. Ebenso gilt es durch eine Antikörper-Untersuchung zugrundeliegende Autoimmunkrankheiten, wie z.B. Morbus Basedow oder Hashimoto auszuschließen. Sind Schilddrüsenknoten vorhanden, müssen diese vorher untersucht werden.

Für die Therapie einer Schilddrüsenvergrößerung gibt es drei Strategien zur medikamentösen Behandlung: die Einnahme von Jod, von Schilddrüsenhormonen oder eine Kombination aus beidem.

Leiden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter einer Struma, wird ihnen im Rahmen der Therapie meist Jod verabreicht. Auch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen oder eine Kombination aus Jod und Schilddrüsehormonen ist möglich. Erwachsene nehmen vor allem Schilddrüsenhormone ein, um eine Schilddrüsenvergrößerung zu minimieren.

Neben der medikamentösen Behandlung kann ein Kropf auch durch einen chirurgischen Eingriff oder mittels Radiojodtherapie verkleinert werden.

Schilddrüsenknoten

Knoten sind eine sehr häufig auftretende Veränderung der Schilddrüse. Sie entstehen, wenn sich ein oder mehrere Bereiche der Schilddrüse hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion verändern und sich schließlich von gesundem Schilddrüsengewebe unterscheiden. Solche Knoten wachsen in aller Regel langsam und sind meistens gutartig. Schilddrüsenknoten machen fast nie Beschwerden. Kleine knotige Veränderungen bemerkt man selbst oft nicht einmal.

Bilden sich in der Schilddrüse größere Knoten, können diese Symptome wie Enge- und Druckgefühl im Hals, aber auch Schluck- oder Atembeschwerden hervorrufen. In einigen Fällen tritt nur ein Schilddrüsenknoten auf. Wesentlich häufiger bilden sich jedoch mehrere Knoten nebeneinander. Sie werden von Medizinern als Struma multinodosa bezeichnet. In nicht seltenen Fällen kann auch die gesamte Schilddrüse aus zahlreichen Knoten bestehen. Die Ursache für diese knotige Veränderung ist meistens ein Jodmangel.

Die Schilddrüse benötigt zur Produktion der Schilddrüsenhormone Jod, das der Körper nur über die Nahrung aufnehmen kann. In bestimmten Lebensabschnitten besteht zudem ein erhöhter Jodbedarf - wie etwa in Wachstumsphasen von Kindern oder in der Schwangerschaft. Mangelt es an Jod, drohen Funktionsstörungen und entsprechende Symptome. Nach wie vor leidet in Deutschland etwa jeder Dritte Jugendliche und Erwachsene unter einem leichten bis moderaten Jodmangel.1 Langfristig riskieren diese Menschen dadurch Veränderungen, Störungen und chronische Entzündungen der Schilddrüse.

Die Ursachen für die Bildung von Schilddrüsenknoten können sehr unterschiedlich sein. In manchen Fällen sind es Drüsenwucherungen, die zur Knotenbildung führen. Es kann sich aber auch um Zysten, also Hohlräume, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind, oder Vernarbungen und Verkalkungen handeln. All diese Auslöser sind gutartig. In sehr seltenen Fällen handelt es sich um bösartige Knoten, die  ein Hinweis auf Schilddrüsenkrebs sind.

Je nachdem, ob ein Knoten Hormone produziert oder nicht, wird er heiß oder kalt genannt. Der Arzt kann Schilddrüsenknoten bei einer Untersuchung des Halses ertasten, im Ultraschall sind sie aber besser erkennbar. Um zwischen heißen bzw. warmen Knoten und kalten unterscheiden zu können, liefern bildgebende Verfahren wie das Szintigramm wichtige Informationen.

Heiße Knoten

Heiße Knoten nehmen verstärkt Jod auf und bilden und schütten unkontrolliert Hormone aus. So kommt es langfristig meist zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Die Überfunktion entwickelt sich in der Regel langsam und lässt sich am Absinken des TSH-Wertes im Blut erkennen.

Heiße Knoten sind praktisch immer gutartig. Solange die Funktion der Schilddrüse nicht gestört ist, muss ein heißer Knoten nicht zwangsläufig behandelt werden. Es reicht, die TSH-Werte ein- bis zweimal pro Jahr zu überprüfen, um eine beginnende Überfunktion frühzeitig zu erkennen.2

Kalte Knoten

Kalte Knoten produzieren wenig oder keine Schilddrüsenhormone. Sie werden im Szintigramm in der Regel erkannt, wenn sie größer als ein Zentimeter sind. Sie sind überwiegend gutartig und nur zu etwa zwei Prozent bösartig.2 Ist ein kalter Knoten gutartig, kann er mit Schilddrüsenhormonen und/oder Jodpräparaten behandelt werden. Eine Schilddrüsenoperation ist nur in wenigen Fällen erforderlich, wie z. B. bei Verdacht auf Bösartigkeit oder wenn die Schilddrüse derart vergrößert ist, dass sie die Luftröhre einengt, das Schlucken erschwert oder für ein starkes Druckgefühl im Hals sorgt.

  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Jodversorgung in Deutschland: Ergebnisse des Jodmonitorings. 09.11.20. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/degs-jod-studie.html, zuletzt aufgerufen in 02/2021.
  2. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Schilddrüsenknoten. https://www.endokrinologie.net/krankheiten-schilddruese-knoten.php, zuletzt aufgerufen in 02/2021.