Diagnostik der Schilddrüse

Ist die Schilddrüsenfunktion gestört, sind die Symptome meist unspezifisch und können auch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein. Verschiedene Untersuchungsmethoden helfen ganz gezielt, eine Über- oder Unterfunktion zu diagnostizieren.

Welcher Arzt ist für die Schilddrüse zuständig?

Bei Symptomen, die auf eine Schilddrüsenüber- oder unterfunktion hinweisen, können Sie zunächst einen Symptom-Check machen oder direkt Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser befragt Sie in der Regel zunächst bei der Anamnese zu Vorerkrankungen und Schilddrüsenkrankheiten in der Familie, wie z. B. Schilddrüsenunterfunktion oder die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Zudem fragt der Arzt die typischen Symptome wie Frieren, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwitzen, Unruhe, trockene Haut oder Schlafstörungen, ab. Außerdem tastet er die Schilddrüse mit der Hand nach einer Vergrößerung des Organs und Unregelmäßigkeiten wie Knoten ab und führt bei Bedarf eine Ultraschalluntersuchung durch. In der Regel wird er Ihnen Blut abnehmen, um zunächst den TSH-Wert zu bestimmen. Ist dieser verändert, könnte das ein erster Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sein.

Bei weiterem Abklärungsbedarf überweist Ihr Hausarzt Sie an einen Facharzt für Innere Medizin oder Endokrinologie. Der Facharzt für Endokrinologie ist der Spezialist für Schilddrüsenerkrankungen. Die Endokrinologie befasst sich mit allen Erkrankungen, die die Hormone betreffen. Der Facharzt kann mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder einer Szintigrafie eine Diagnose stellen und eine gezielte Therapie bei Vorliegen einer Über- oder Unterfunktion der Hormondrüse festlegen.

Die Schilddrüse untersuchen

Für die Untersuchung der Schilddrüse auf eine Über- oder Unterfunktion hin gibt es inzwischen eine Reihe an Untersuchungsverfahren. Die Auswahl und die Reihenfolge legt der behandelnde Arzt fest.

Blutuntersuchung

Nach dem Patientengespräch, in dem mögliche Symptome einer Über- und Unterfunktion abgefragt werden, und einer Tastuntersuchung nimmt der Arzt in der Regel Blut ab, um den TSH-Wert zu bestimmen. TSH steht für Thyroidea-stimulierendes Hormon und ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse entsteht. Es steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Als "normal" gilt ein TSH-Wert zwischen 0,4 und 4 mU/l1. Liegt der TSH-Wert im Normbereich, dann ist eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) äußerst unwahrscheinlich. Ist der TSH-Wert erhöht, kann dies ein Hinweis auf eine Hypothyreose sein. Niedrige TSH-Werte deuten auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Erhöhte oder niedrige TSH-Werte können verschiedene Ursachen haben und von diversen Faktoren beeinflusst werden. Antworten auf Fragen zur Blutuntersuchung finden Sie hier.

Mit der Bestimmung von T3 und T4 werden weitere Informationen über die Schilddrüsenfunktion gewonnen. Heutzutage werden dazu die sogenannten freien Hormone fT3 und fT4 bestimmt. Liegt der T3- und/oder T4-Wert bzw. das freie T3 und freie T4 über dem Normbereich und sind gleichzeitig die TSH-Werte reduziert, deutet dies auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Sind die Werte für die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 hingegen vermindert bei erhöhten TSH-Werten, kann dies ein Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein.

Bei Verdacht auf die Autoimmunerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow werden zudem bestimmte Antikörper ermittelt. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Morbus Basedow, auch Basedowsche Krankheit genannt, geht häufig, aber nicht immer, mit Symptomen wie einem Kropf (Struma), einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder einer Beteiligung der Augen (endokrine Orbitopathie) einher.

Bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow werden in der Regel die Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK) bzw. mikrosomalen Antikörper (MAK) sowie die Antikörper gegen Thyreoglobulin (TG-AK) bestimmt. Sind diese Antikörper erhöht, kann das ein Hinweis auf eine Hashimoto-Thyreoiditis bzw. Morbus Basedow sein. Ist außerdem der TRAK (Thyreotropin-Rezeptor-Autoantikörper)-Spiegel erhöht - also der Spiegel der vom Körper gebildeten Antikörper, die gegen die Bindungsstelle von TSH gerichtet sind, kann dies ein weiterer Hinweis auf Morbus Basedow sein.

Wenn der TSH nicht im Normbereich liegt und die Schilddrüse nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Hormone zu produzieren, müssen diese in der Therapie der Hypothyreose dauerhaft substituiert werden. Dann wird in der Regel ein Schilddrüsenersatzhormon verordnet, das dem körpereigenem Hormon Thyroxin (T4) entspricht. Dieses hat im Körper die gleiche Wirkung wie die natürlich von der Schilddrüse gebildeten Hormone. Meist müssen Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion das Schilddrüsenersatzhormon lebenslang einnehmen. Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion wird im Regelfall niedrig dosiert begonnen. Die Blutwerte werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert bis der TSH im Normbereich liegt und/oder der Patient keine Symptome mehr hat. Bis die optimale individuelle Dosierung in der Therapie der Schilddrüsenunterfunktion gefunden ist, kann es mehrere Monate dauern.

Schilddrüsenüberfunktion

Ultraschalluntersuchung

Bei der Untersuchung der Schilddrüse mittels Ultraschall - auch Sonografie genannt - tastet der Arzt die Halsregion mit einem Schallkopf von außen ab. Durch diese schmerzfreie Untersuchung können frühzeitig Veränderungen erkannt werden. Die Schilddrüsensonografie ermöglicht die Diagnose krankhafter Veränderungen der Schilddrüsenstruktur wie z. B. Vergrößerungen oder Schilddrüsenknoten. Die Ultraschalluntersuchung ist strahlenfrei. Das auf diese Weise erzeugte Bild zeigt Lage, Form, Struktur und Größe der Schilddrüse. Mit Hilfe eines speziellen Ultraschallverfahrens - der sogenannten farbkodierten Duplexsonografie - lassen sich außerdem Rückschlüsse auf die Durchblutung der Schilddrüse ziehen.

Schilddrüsenunterfunktion

Szintigrafie

Ob ein Knoten heiß oder kalt ist, lässt sich mit einer Szintigrafie - einem nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren - feststellen. Dazu wird die Schilddrüse meist mit Technetium angereichert. Durch Messung der radioaktiven Aktivität gewinnt der Arzt Bilder, die ihm Aufschluss über die Unterscheidung von aktivem - also heißem - und inaktivem - oder auch kaltem - Schilddrüsengewebe geben. Blaue Bereiche (kalte Knoten, Zysten) sind inaktiv und bilden nur noch wenige oder gar keine Hormone mehr, rote Bereiche (heiße Knoten) sind überaktiv und bilden mehr Hormone als normal. Heiße Knoten sind fast immer gutartig. Kalte Knoten sind meistens gutartig.

Da durch eine Szintigrafie der Körper geringer radioaktiver Strahlung ausgesetzt wird, ist dieses Verfahren nur notwendig, um beispielsweise Schilddrüsen-Knoten abzuklären.

Um zu erkennen, ob ein kalter Knoten bösartig ist, werden bestimmte Kriterien der Ultraschalluntersuchung und gegebenenfalls das Ergebnis einer Feinnadelpunktion zur Abklärung hinzugezogen.

Feinnadelpunktion

Ob eine verdächtige Veränderung der Schilddrüse Krebszellen enthält, kann mit Gewissheit nur anhand einer Zellprobe festgestellt werden. Dazu werden mit einer dünnen Hohlnadel mittels Unterdruck einzelne Zellen entnommen und zur Untersuchung an ein Speziallabor gegeben.

  1. Apotheken Umschau.: "TSH: Stimulanz der Schilddrüse." https://www.apotheken-umschau.de/laborwerte/tsh, zuletzt aufgerufen in 02/2021.; Brettschneider, H.: "Schon gering erhöhtes TSH beeinflußt das Gewicht." 13.11.2006. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Schon-gering-erhoehtes-TSH-beeinflusst-das-Gewicht-388964.html, zuletzt aufgerufen in 02/2021.